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Was geschah in Hadamar?

Die Klasse 10dR der Merianschule besuchte am 4. Mai 2009 die Gedenkstätte Mönchberg in Hadamar. Die dortige Landesheilanstalt war in der nationalsozialistischen Zeit ein „Hospital“, in dem Patienten ermordet wurden.
Am Anfang dieser Studienfahrt wurde uns durch einen Vortrag die Geschichte der Landesheilanstalt Hadamar vermittelt. Es wurde uns geschildert, dass es in diesem „Krankenhaus“ zwei verschiedene Mordphasen gab, denen vor allem Behinderte zum Opfer fielen.
Die erste Mordphase dauerte von Januar 1940 bis zum August 1941. Während dieser Zeit wurden etwa 10.000 Menschen in einer Gaskammer durch Kohlenmonoxid erstickt. Die zweite Mordphase dauerte vom August 1942 bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges. Durch überdosierte Medikamente und gezielte Mangelernährung starben noch einmal etwa 4500 physisch und psychisch Kranke, die nicht den Vorstellungen des nationalsozialistischen Weltbildes entsprachen. Man verwendete die Formulierung „lebensunwertes Leben“.
Nach dem Vortrag verfolgten wir den gleichen Weg, den auch die Opfer damals gehen mussten: Zunächst kamen sie in verdunkelten Fahrzeugen in der Busgarage an. Von dort aus gelangten sie durch einen Gang in das Gebäude. In dem Gebäude angekommen, mussten sie sich ausziehen. Um den Eindruck zu vermitteln, dass alles in Ordnung sei, standen im ersten Raum leere Betten. Darauf folgte eine Untersuchung. Ein Arzt teilte den Patienten willkürlich Krankheiten zu, um die tatsächliche Todesursache zu vertuschen. Nun forderte man die Patienten auf, zum Duschen zu gehen. In Wirklichkeit kamen 40–70 Personen in eine Gaskammer, die dann geschlossen und mit Kohlenmonoxid gefüllt wurde. Nach dem Erstickungstod beförderte man die Leichen zu den Verbrennungsöfen. Die Asche der Toten verscharrte man. Nur auf besonderen Antrag wurde eine Urne mit den sterblichen Überresten den Angehörigen zugestellt.
Die Opfer der zweiten Mordphase, die nicht mehr verbrannt wurden, weil die Öfen in der Zwischenzeit abgebaut worden waren, beerdigte man in Massengräbern auf einem oberhalb gelegenen Friedhof.
Wir finden es schlimm, was damals vorgefallen ist. Es ist wichtig, dass solche Verbrechen nicht in Vergessenheit geraten. Trotzdem ist es für uns unverständlich und erschreckend, dass Menschen dazu in der Lage sind, solche Verbrechen zu begehen. Um der vielen Opfer zu gedenken, haben wir auf dem Friedhof eine Schweigeminute gehalten.

 

Julia Dietert / Marlen Parnow, 10dR

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