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Interview mit Cenk Güvenc

Am 15. Februar 2009 bist Du gemeinsam mit Deinem Vater zu Deinem ersten Länderspiel nach Istanbul geflogen. Hat sich seit dieser Zeit Dein Leben stark verändert?
Mein Charakter hat sich nicht verändert, ich habe auch alle meine Freunde behalten und meine Herkunft nicht vergessen. Allerdings erhalte ich jetzt öfter Anrufe von Managern und Spielerberatern. Während der letzten drei Monate war ich ziemlich oft auf Reisen, zunächst in Istanbul, dann in Amsterdam und schließlich bei einem Turnier in Bratislava in der Slowakei.

Wie viele Länderspiele hast Du in der Zwischenzeit absolviert?
Insgesamt habe ich jetzt sieben Länderspiele für die Türkei absolviert, davon zweimal in der U19- und fünfmal in der U18-Nationalmannschaft.

Welches Länderspiel war für Dich am wichtigsten? Hast Du bei den Länderspielen etwas gelernt?
Am wichtigsten war das erste Länderspiel in der Türkei. Die persönlichen Erfahrungen mit Spielern, die ich vorher nicht kannte, haben mich am meisten beeindruckt. Natürlich war ich etwas nervös, aber ich wurde ganz selbstverständlich aufgenommen und wie ein Freund behandelt. Im Hinblick auf den Fußball kam ich gut vorbereitet an, so dass ich mich nahtlos in das Spiel einfügen konnte.

Wie bereitet man sich auf ein Länderspiel vor? Wie ist der Kontakt zu den anderen Spielern, die Du nur bei diesen Spielen triffst?
Vor dem Zusammentreffen der eingeladenen Spieler fragt man sich, wie man als Neuling behandelt wird. Aber die Trainer sind sehr gute Psychologen. Sie machen nur leichtes Training und bereiten uns taktisch vor. Sie lenken unsere Aufmerksamkeit auf die Stärken der Gegenspieler und versuchen, den Gemeinschaftsgeist zu stärken.
Mit einigen Mannschaftskameraden gibt es immer wieder Kontakte über das Handy oder per E-Mail.

Wie läuft eine normale Woche (ohne Länderspiel) bei Dir ab?
Am Vormittag besuche ich die Schule und versuche, meine Aufgaben so gut wie möglich zu erledigen. Fünfmal in der Woche beginnt dann um 17 Uhr das Training, das zwei bis drei Stunden dauert. Am Wochenende fahre ich zu den Punktspielen, die entweder in Offenbach oder anderen Städten in ganz Deutschland stattfinden. Da unsere Mannschaft in der höchsten Liga spielt, haben wir zum Beispiel Gegner in München oder auch in Nord-Deutschland.

In welchem Alter hast Du mit dem Fußballspielen begonnen und wie bist Du überhaupt dazu gekommen?
Zuerst habe ich mit Freunden aus unserer Nachbarschaft auf der Straße gespielt. Mit fünf Jahren hat mich mein Vater dann bei den Sportfreunden in Seligenstadt zum Training angemeldet. Bei diesem Verein bin ich zwei Jahren geblieben, bis ich zum OFC wechseln durfte.

Gibt es einen Spieler, den Du als Vorbild bezeichnen würdest? Wenn ja, warum?
Mich beeindruckt der englische Nationalspieler Steven Gerrard, der zum FC Liverpool gehört, weil er ein mannschaftsdienlicher Fußballer ist. Das gilt auch für Arda Turan von Galatasaray Istanbul. Mein besonderes Vorbild ist aber Mergim Mavraj, der Bundesliga-Profi vom VfL Bochum. Er kommt aus Froschhausen und hat ebenfalls die Merianschule besucht. Ich kenne ihn auch persönlich sehr gut.

Gibt es eine Mannschaft in der Bundesliga, in der Du gerne spielen würdest? Beobachtest Du auch ausländische Vereine und welcher Verein fällt Dir dabei besonders auf?
In der Bundesliga mag ich die Spielweise von Bayer Leverkusen und vom VfB Stuttgart. International stehen für mich der CF Barcelona und Besiktas Istanbul ganz oben.

Du spielst jetzt seit fast zehn Jahren bei Kickers Offenbach. Inwiefern hat Dir dieser Verein mit seinen Trainern dabei geholfen, Deine Leistungen zu steigern?
Alles, was ich im Fußball kann, habe ich beim OFC gelernt. Ich bin den Trainern dieses Vereins sehr dankbar, dass sie mich so gut gefördert haben.

Gibt es prominente Fußballspieler, die Du schon kennen gelernt oder gesehen hast?
Die gesamte erste Mannschaft von Kickers Offenbach kenne ich persönlich. Mit dem türkischen Nationalspieler Arda Turan habe ich mich bei einem Gespräch in Istanbul angefreundet, er ist ein sympathischer Sportler.

Wir wissen, dass Du mit Mergim Mavraj, dem Bundesliga-Profi aus der Merianschule, befreundet bist. Gibt es jetzt, am hektischen Ende der Bundesliga-Saison, zwischen Euch beiden noch privaten Kontakt?
Während der Saison kommt er nur selten nach Seligenstadt, dann treffen wir uns gelegentlich. Es besteht aber immer wieder ein Kontakt per Handy oder E-Mail.

In wenigen Wochen wirst Du Deinen Schulabschluss erhalten. Wie waren die Prüfungen?
Ich hatte das Gefühl, dass der Schwierigkeitsgrad der Prüfungsaufgaben angemessen war und erwarte für mich persönlich positive Ergebnisse.

Welche Pläne hast Du für die Zukunft? Welche Vorschläge haben Dir Deine Eltern gemacht?
Nach meinen Länderspielen habe ich sehr viele Angebote erhalten – auch aus der Türkei. Bis zum Sommer 2010 bin ich aber vertraglich noch an den OFC gebunden. Bei einem eventuellen Wechsel müssten sich also erst einmal die Vereine einig werden. Andy Möller, der Manager der Kickers, hat mit mir auch schon über einen Einsatz in der ersten Mannschaft gesprochen. Ich selbst bin froh, noch etwas Zeit zum Nachdenken zu haben. Meine Eltern überlassen mir die Entscheidung, aber meine Mutter möchte mich auf jeden Fall in ihrer Nähe haben.

Vielen Dank für dieses ausführliche Gespräch. Wir wünschen Dir, lieber Cenk, für die Zukunft alles Gute.

Das Gespräch führten: Daniel Fritsch, Leon Lübke, Lars Müller (alle 6aR) sowie Alex Hatziparassidis, 6cR
 

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