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„Ich habe meine Frau geklaut!“

Am historischen 9.Novmber hatte der Geschichts-WPU Kurs des Jahrgangs 10 besonderen Besuch: Ein Zeitzeuge berichtete sehr persönlich und anschaulich von seinen Erlebnissen mit der ehemaligen DDR.
Der Kurs hatte sich in den vorangegangenen Stunden mit der Entstehung der DDR, aber auch mit dem dortigen Leben und seinen Besonderheiten auseinandergesetzt.
Ausführlich schilderte Werner R. was einen jungen Menschen wie ihn zum „Verbrechen Republikflucht“ veranlasste: Der Wunsch und der Wille die Wahrheit zu sagen und sich nicht zu verbiegen.
Drangsalierungen und Schikanen, aber auch Willkür und Ohnmacht des DDR-Systems wurden durch Werner R. für die Schüler mit einem Gesicht versehen. Was dem Kurs in der Theorie bekannt war, wurde nun persönlich. Für jeden spür- und hörbar waren die Emotionen die unser Zeitzeuge beim Berichten durchlebte.
Mit der eigenen Flucht begann R. seine Erzählung. Er schilderte das Verhältnis zur Familie und berichtete von seinem Schwager der ihn für die Stasi ausspionierte.

„Ich habe meine Frau geklaut!“, mit diesem Satz leitete das spannendste seiner Erlebnisse ein. Zusammen mit einem Bekannten arrangierte er die Flucht seiner heutigen Frau. Ein in zwei Jahren ausgetüftelter Plan mit genauen Berechnungen, von Fahrtgeschwindigkeiten bis hin zur Zigarettenlänge welche geraucht werden durfte, keines der Details ließ Werner R. aus. Anschaulich schilderte er, wie seine Frau in das Versteck zwischen ausgehöhlten Koffern und Rücksitz des Autos gelangte, aber auch welche Angst er um sie und den helfenden Freund hatte. Die Erleichterung nach der gelungenen Flucht und die großen Emotionen kann er kaum in Worte fassen.
Mit Hilfe von Bildern zeigt Werner R. das Versteck in dem er seine „Frau aus der Republik klaute“. Sichtbares Erstaunen war auf allen Gesichtern zu erkennen angesichts der Bilder und der Beschreibungen.
Die Stasiakte von Werner R. und seiner Frau trieb dem einen oder anderen Züge des Entsetzens ins Gesicht, als man sah mit welchen Methoden die Stasi DDR-Bürger ausspionierte: Kopien von persönlichen Briefen, mitgeschriebene Telefongespräche und noch vieles mehr offenbarte R. aus seiner Akte.

Mit einem flammenden Appell für die Demokratie und die Aufforderung immer kritisch zu bleiben endete diese, für viele sicher unvergessliche, WPU-Stunde.

An dieser Stelle noch einmal ein riesiges Dankeschön an unseren Zeitzeugen!!!
 



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