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Tagebuch eines Austausches -Teil 1

Donnerstag, der 8. September 2011

Liebes Tagebuch,
heute war also endlich der große Tag. Seit Mai haben wir darauf hingefiebert, endlich war es soweit; die große Reise hat begonnen! Aber warum müssen solche Abenteuer eigentlich immer so früh beginnen? Egal, auch wenn alle anderen entweder frei haben, oder später in der Schule ankommen, wir waren um kurz vor 7 an der Schule, um unsere Reise zu beginnen.
Am Flughafen in Frankfurt war ich kurzfristig verwirrt von meinem Kollegen und habe seine Ticketbuchung in Frage gestellt. Statt zum Gruppenschalter steuerte er den Schalter für Tiere als Luftfracht an, ich weiß nicht, was er ausgehandelt hat, aber wir haben dort unser Gepäck aufgegeben (und später in den USA sogar zurückbekommen). Am Flughafen haben wir auch unseren Reisebegleiter Martin Fleck getroffen, der über viele Jahre diesen Austausch geleitet hat und uns zur Einführung noch einmal begleitet. Während der Sicherheitskontrolle konnte man kurzfristig überlegen, ob man die richtigen Schüler ausgewählt hat… Wer versucht vier (!) Scheren in ein Flugzeug zu bekommen??? Nein, Spaß! Die Scheren waren zwar im Mäppchen, aber ich zweifele nicht an unserer lustigen Reisegruppe. Schon vom ersten Moment an ist die Gruppe gut gelaunt und scherzt.
Der Flug ist ereignislos… Möglicherweise ist das größte Ereignis, dass drei Schüler und ich die Einzigen im Flieger sind die den Film nicht schauen können, weil die Technik auf unseren drei Plätzen spinnt . Aber mit viel Spaß, Humor und Improvisation haben wir den Flug dennoch überstanden und am Ende durfte unsere Gruppe sogar einen kleinen Blick in das Cockpit und die 1. Klasse werfen. Im Vergleich ist die Economyklasse Massentierhaltung (so sah der Boden nach dem Flug auch fast aus), scheinbar haben nur wir es hinbekommen auf unserem Tablett zu essen und nicht alles unter den Sitz zu werfen.
Von meiner letzten USA-Reise hatte ich ganz schreckliche Erinnerungen an die Immigration (also die offizielle Einreise), mal abgesehen von den langen Warteschlagen war damals auch das Personal alles andere als freundlich. Heute sitzt dort ein lächelnder Mitarbeiter, der es ganz super findet, dass wir einen Schüleraustausch machen! Unser Gepäck wartet schon auf uns, bei den Schülern ist alles ok… Mein Koffer ist „kaputt“ und so muss ich ihn mit einigen Verrenkungen aus dem Flughafen rollen. Jack, unser Busfahrer, bringt uns mit einem kleinen Zwischenstopp im „Goldenen M“ (mit der männlichen Servicekraft die irgendwie einem meiner Kollegen versucht schöne Augen zu machen.. [diese Beobachtung machte eine unserer Schülerinnen]) erreichen wir vollkommen übermüdet unser Ziel. Sehr, sehr freundlich werden wir empfangen und schnell sind die Koffer eingeladen und unsere Kids auf dem Weg zu ihren Gastfamilien. Auch meine „Gasteltern“ packen mich ein und bringen mich zu ihrem Haus, wobei die Beschreibung Haus nicht der Beschreibung eines deutschen Hauses gleicht, von den Ausmaßen her ist es eher eine Villa mit leichtem Hauscharakter. Nach einem typischen amerikanischen Essen bin ich unendlich froh in mein Bett zu kommen, ich glaube ich, habe geschlafen, bevor der Kopf das Kissen berührte.

9. September

Liebes Tagebuch,
es geschehen seltsame Dinge. Heute bin ich vor meinem Wecker aufgewacht (kurz vor 6 Uhr hiesiger Zeit), ich war etwas verunsichert von mir und werde das in den nächsten Tagen beobachten.

Der Weg in die Schule mit einem wachen Auge ist unglaublich spannend, die Unterschiede zu Europa werden einem hier so wirklich bewusst, die Distanzen zwischen den Häusern bzw. den Häusern zu einer Einkaufsmöglichkeit oder aber der Einfluss, den die Einwanderer auf dieses Land gehabt haben, wird unglaublich deutlich. An der Schule angekommen, stehen wir vor einem imposanten Steingebäude und von innen sieht es so aus, wie man sich eine Highschool vorstellt. Spinde entlang der Korridore, und manchen der Schüler sieht man ihren Schwerpunkt regelrecht an . Ich habe den amerikanischen Schüler in Footballdress immer für ein Klischee gehalten, nachdem ich geschätzten zehn von ihnen über den Weg gelaufen bin, glaube ich daran dass dies Alltag hier ist. Chris Glandt, der amerikanische Kollege, der mit uns diesen Austausch macht, führt uns in die „Aula“. Viele deutsche Theater würden vor Neid erblassen. Hier warten wir auf ein Mitglied der Schulleitung (zugleich eine unserer Host-Mumms) welches uns wenig später begrüßt und uns zwei kleine Geschenke übergibt. Eine Trinkflasche mit dem Schulbild und einen kleinen Anstecker in Form eines Schiffes. Das Schiff ist das „Wappen“ der Schule und das Symbol aller Sportteams der Schule. Der Schulrundgang lässt uns immer und immer wieder staunen. Die Lincoln Highschool ist eine Mischung aus allem alle Arten von Schule, die wir in Deutschland kennen + Sportcenter. Damit dies alles funktioniert, herrschen strenge Regeln, welche die Schüler peinlichst genau befolgen müssen, wenn sie nicht mit der Schulleitung oder dem bewaffneten Cop zusammenstoßen wollen. Mit strengen Regeln kann ich mich ja anfreunden, aber einen Polizisten mit geladener Waffe in der Schule? Ich weiß ja nicht… Auf der anderen Seite scheint es aber wenig Regeln für den Unterricht zu geben. Die Schüler, die mich kennen, können mein „Entsetzen“ über Kaugummis, Schuhe auf Stühlen und Taschen auf Tischen verstehen. Unsere Schüler sind über zwei Schulen verteilt, die Lincoln Highschool und die Wilson Junior Highschool, so dass wir immer mal wieder pendeln werden. Während unsere Schüler mit ihren Hostgeschwistern den Schultag weiter durchlaufen, bleiben mein Kollege Tibor Horvath und unser Begleiter Martin Fleck im Deutschunterricht. Das ist eine spannende Sache, als Muttersprachler zu beobachten, wie andere die eigene Sprache erlernen. Eh ich mich versehe, bin ich aktiver Part im Unterricht und spreche als „native Speaker“ die Zahlen beim Bingo oder schreibe Zahlen „the German way“. Eine spannende Erfahrung, wie so viele Dinge an diesem Tag! Schneller als gedacht endet dieser Tag in der Schule, nun steht uns am Abend das „Potluck supper“ (jeder bringt etwas mit) bevor. Eine Zusammenkunft der Gastfamilien und der Lehrer mit einer Vorstellung der Gastfamilien durch unsere Schüler und der Übergabe des Austausches von Martin Fleck an uns. Eine kleine, aber sehr gemütliche Zusammenkunft im „School forest“, einer Art Schullandheim, außerhalb der Stadt. Unsere Schüler und die Gastgeschwister verbringen an diesem Abend viel Zeit miteinander, es ist schön dieses Miteinander zu beobachten!

Wochenende 10./11. September

Liebes Tagebuch,
heute habe ich […] Die Gestaltung meines Wochenendes ist ja nun wirklich nicht von Interesse…



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