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Tagebuch eines Austausches -Teil 2

Montag, 12. September 2011

Liebes Tagebuch,
das Wochenende liegt hinter uns mit all seinen Ereignissen und Erlebnissen. Heute haben wir uns auf den Weg gemacht, um noch mehr zu erleben. Mit dem weißen Monsterbus (wie der Bus vom A-Team nur in Weiß) und einem anderen Minivan haben wir uns auf den Weg nach Madison gemacht. Madison war nicht nur der vierte Präsident der Vereinigten Staaten, sondern auch der Namenspatron der Hauptstadt Wisconsins. Die amerikanischen Speedlimits werden nie mein Freund werden, glaube ich, so ein Geschleiche... Phu, aber mit den ganzen Schülern im Bus hat man wenigstens Spaß (mal davon abgesehen, dass es nicht ganz mein Musikgeschmack war) und danach hört man nicht mehr ganz so gut. Mit dem weißen Partybus haben wir Madison „schnell“ erreicht und so konnten wir einen kurzen Abstecher in eine Shoppingmall machen. Ich werde nie ein Freund von Starbuckskaffee werden… Das Komplizierteste auf unserer Reise nach Madison war die Suche nach dem Parkhaus und dann eine kleine Überraschung: Eine mechanische Parkuhr, so was habe ich seit Jahren nicht mehr gesehen. Schnell findet sich hier auch eine Möglichkeit etwas zu essen, leider dauert es ewig uns so kommen Herr Horvath und Mr. Meinhardt (unser amerikanischer Reisebegleiter) zu spät zum Treffpunkt. Etwas gehetzt erreichen wir das Captiol von Madison, um unsere Führung anzutreten. Ich bin beeindruckt, wie schnell und ohne Sicherheitskontrollen wir hier bis zum Büro des Gouverneurs kommen und schließlich in seinem Sitzungssaal sitzen. Bei all dem Sicherheitswahn hier ist das doch echt sehr erstaunlich, nahezu unglaublich. Die Aussicht von der Kuppel des Capitols ist beeindruckend, nur etwas frisch, da es sehr windig ist. Schnell müssen wir unseren Rückweg antreten, damit wir unsere Kids wieder rechtzeitig bei den Hostfamilien abgeben können. Der Heimweg ist ebenfalls laut und nicht von meinem Musikgeschmack geprägt, aber so lange die Kids ihren Spaß haben! Meine Erkenntnis des Tages: Nicht jeder Minibus, der vor dir fährt, ist der, dem du folgen solltest & ein Navi und ein Ortskundiger sollten auf beide Fahrzeuge verteilt werden.


Dienstag, 13. September 2011

Liebes Tagesbuch,
wieder beginnt ein schöner Tag in Wisconsin, nur die Temperaturen sind ziemlich in den Keller gegangen. Morgen Nacht soll es Frost geben, das kann ich noch nicht so ganz glauben. Heute steht ein kleiner Ausflug in die Geschichte von Manitowoc an verbunden mit einem kleinen Spaziergang durch die Stadt. Von der Lincolnhighschool führt uns ein kleiner Spaziergang in die Innenstadt, wo uns Martin Fleck einige interessante Gebäude und Besonderheiten der Geschichte erläutert. Während wir noch vor einem Gebäude stehen, kommt eine freundliche Dame heraus, die uns kurz etwas über ihr Gebäude erzählt, einfach nur, weil sie sich freut uns zu sehen und es schön findet, dass wir einen Austausch hierher machen. So was würde uns in Deutschland glaube ich nicht passieren! Im Maritime Museum angekommen beginnt unsere Führung in einem echten U-Boot aus dem 2. Weltkrieg. Sehr eindrucksvoll wird für unsere Schüler hier die Hitze, die Enge und der Gestank, der hier geherrscht haben muss. Für mich ist das U-Boot eindeutig nicht konstruiert worden, ich muss an jeder Ecke auf meinen Kopf aufpassen.
Mit Schülern in einem Museum ist das ja immer so eine Sache, meistens findet man sie bei den Getränkeautomaten oder in der Nähe des Ausgangs. Weil sie einfach schneller sind als ich mit dem Lesen und Verstehen der Texte? Möglich, aber ganz glauben kann ich es nicht. Dennoch, ich finde das Museum interessant und anschaulich. Zurück an der frischen Luft führt Herr Fleck uns in eines der bekanntesten Kaffees in der Stadt Beernstens, eine Einrichtung, die es seit den 20er- Jahren des letzten Jahrhunderts gibt, und lädt unsere Schüler zu einem kleinen Lunch ein als sein Abschiedsgeschenk an uns und die Schüler. Nach dem Lunch verabschieden auch wir ihn mit einer kleinen Aufmerksamkeit und bedanken uns für seine Unterstützung bei dieser Reise. Jetzt ist für ihn der Austausch wirklich beendet, wir hoffen ihn in seinem Sinne weiterführen zu können.
Nach der Rückkehr in die Schule verabschieden wir unsere Schüler und der Rest des Tages kann beginnen.


Mittwoch, 14. September 2011

Liebes Tagebuch,
heute steht ein ganz normaler Schultag auf dem Programm. Ich bin sehr gespannt darauf mir den Chemieunterricht an einer amerikanischen Highschool anzusehen. Später wollen wir der zweiten unserer Schulen hier, der Wilson Junior High, einen Besuch abstatten.
Der Chemieunterricht ist anders als unserer. Grundlegend anders, die Bedingungen, die der Kollege an seine Schüler stellt, sind enorm für Anfänger. Bei der Durchsicht der Unterlagen für das Jahr fällt aber auch auf, dass es zwar extrem in die Breite aber nur minimal in die Tiefe geht. Interessant, aber eben ganz anders. Wenn ich jedoch sehe, wie viele Stunden er pro Woche und Kurs hat und welchen Platz zum Arbeiten, kann man echt heulen vor Neid.
Später am Tag wechseln der Kollege und ich in die andere Schule, um Eric Meinhardt zu besuchen. Wir finden ihn in seinem „Lesezimmer“. Schüler, die schlecht lesen können oder deren Textverständnis abnimmt, können von den Lehrern zu ihm geschickt werden und er fördert sie mit verschiedenen Lesestrategien (Warum gibt es so was eigentlich bei uns nicht?). Der Rundgang durch die Schule zeigt mir wieder, wie unterschiedlich doch die Schulsysteme sind. Wir lernen auch den Schulleiter kennen, er steht mit Gummihandschuhen in der Cafeteria und ist mit am Aufräumen nach dem Lunch.
Später besuchen wir den Biologieunterricht einer 7. oder 8. Klasse. Von der Art, wie hier wissenschaftliches Arbeiten gefördert wird, kann man eigentlich nur beeindruckt sein. Aber auch die Selbstverständlichkeit, mit der Anweisungen befolgt werden, ist mehr als nur beeindruckend! Ein eindrucksvoller Schultag!

 
Donnerstag, 15. September 2011

Liebes Tagebuch,
warum ist es so verdammt kalt? Der Wind pfeift durch meine Jacke, als ich aus dem Haus trete, um in Richtung Schule aufzubrechen. Die gleiche Frage stellen sich unsere Schüler ebenfalls, noch viel mehr aber stellen sie uns die Frage, warum sie bei der Kälte eine Radtour machen sollen. Egal, auf die Räder – fertig –los!
Behelmt und gesattelt machen wir uns auf zu Point Beach, einem Aussichtspunkt und Strand am Lake Michigan. Der Weg führt uns entlang des Ufers, durch kleine und größere Straßen und schließlich in den Wald. Die Wege haben ein wenig was von einer BMX-Strecke und dadurch macht es noch viel mehr Spaß diesen Weg zu fahren. Wir legten ein unglaubliches Tempo vor, so dass wir viel schneller als geplant am Ziel waren. An Point Beach angekommen, zweifle ich kurz an mir, ich dachte, ich sei in den USA und nicht auf Sylt. Sandstrand, Dünen, Wind und Brandung, dazu herrlichster Sonnenschein und inzwischen sehr angenehme Temperaturen!
Meine Erkenntnis des Tages: Amerikaner haben keine Mülleimer und „Simple Glandt“ ist eine Zeitform.
Auf dem Rückweg sind wir so schnell, dass wir anfangen zu trödeln, um nicht zu früh wieder in der Schule zu sein.
Nach der Schule bleibt nicht viel Zeit, wir haben einige Leute zum Essen eingeladen, also müssen wir noch einkaufen für die Schnitzel ;-)
P.S. Seit heute habe ich auch einen Hostbrother. Er ist Austauschschüler aus Seligenstadt. Seltsame Dinge geschehen in diesem Land ;-)

 



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