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"SchuB" - die Chance

Pilotprojekt an der Merianschule Seligenstadt - Herausforderung für Schüler, Eltern und Pädagogen

 

schub01.jpg-Das Schlimmste ist für mich, wenn mein Lehrer mir einen Praktikumstag streicht, anstelle von Nachsitzen.- Sagt der 15-jährige David, der von seiner Praxisstelle in einem KFZ-Betrieb begeistert ist. Er darf dort viel ausprobieren und lernt dadurch eine Menge über diesen Beruf. Sogar am Wochenende arbeitet er in diesem Betrieb und hat bereits jetzt schon ein Angebot, dort nach seinem Hauptschulabschluss, im nächsten Jahr, eine Lehre anzufangen. Im Gegensatz zum vorigen Jahr hat er keine Fehlzeiten mehr in der Schule. Ihm wurde bewußt, dass die Schule mit Abschluss der Schlüssel zu seinem Traumberuf ist.

David ist einer der zwölf Schülerinnen und Schüler im Alter von 15-18 Jahren, die derzeit die SchuB-Klasse besuchen. Seit vergangenem Jahr gibt es diese SchuB-Klasse an der Merianschule Seligenstadt. Es handelt sich dabei um ein Projekt des Landes Hessen und wird vom Europäischen Sozialfond gefördert. "SchuB" steht für das Lernen und Arbeiten in Schule und Betrieb.

schub02.jpgSo unterschiedlich die Schülerinnen und Schüler dieser Klasse vom Alter und Leistungsstand her sind, so verbindet sie doch eine gemeinsame Sache: Sie haben alle eine problematische schulische Vorgeschichte und wollen jetzt ihre Chance mit "SchuB" nutzen, um noch einen Abschluss zu erlangen.

Das Konzept "SchuB" dauert insgesamt zwei Jahre und umfaßt die Klassen 8 und 9 an Hauptschulen. Dieses Projekt ist gerade auf solche Schüler ausgerichtet, die große Schulschwierigkeiten hatten, die manchmal durch Frust und Unlust wegen des fehlenden Schulerfolgs, oft zu Unruhestiftern, Schulschwänzern oder sogar völligen Schulverweigerern wurden. Es entstanden teilweise große Lern- und Leistungsrückstände, die es jetzt gilt auszugleichen.

"Letztes Jahr hatte ich keine Lust mehr auf Schule, aber "SchuB" ist was ganz anderes", meint die 16-jährige Seda, eines der zwei Mädchen in der Klasse.

schub03.jpgEine Kombination aus 3 Tagen Schuluntericht und zwei Praxisstagen in der Woche sorgen bei vielen der Schülerinnen und Schülern der SchuB-Klasse für neue Motivation. Mindestens drei unterschiedliche Praxisstellen sollen sie in der Zeit von zwei Jahren durchlaufen. Auf diese Weise lernen sie betriebliche Abläufe kennen, aber vor allem erfahren sie, was es heißt, den ganzen Tag in einem Betrieb zu arbeiten.

Das "SchuB-Team", bestehend aus dem Klassenlehrer Andreas Dziersk und der Sozialpädagogin Ariane Mantey-Strauß, begleitet die jungen Leute in Schule und Praktikum. Neben der fachlichen Vermittlung haben sie eine besondere Vertrauens- und Beratungsfunktion im Sinne einer Lern- und Lebensbegleitung. Zusätzlich zum Unterricht findet Einzelbetreuung, Koordination, Familien- und Elternarbeit sowie Praxisbetreuung statt. Die Kooperationsbereitschaft und der regelmäßige Austausch zwischen Pädagogen, Eltern und Schülern ist ein wichtiger Bestandteil von "SchuB".

 Zudem lebt dieses Projekt von der großen Offenheit zahlreicher Betriebe, Praxisstellen anzubieten, die sich hauptsächlich in und um Seligenstadt befinden. Hierzu gehören sowohl KFZ- und Maschinenbau-Betriebe als auch Schreinereien, Schlossereien und verschiedene Einzelhandelsfachgeschäfte.

schub04.jpgZur Förderung der Gruppengemeinschaft wird einmal in der Woche gekocht und anschließend gemeinsam gegegessen. Ziel ist dabei unter anderem, auf einer etwas anderen Ebene, miteinander ins Gespräch zu kommen, etwas voneinander zu erfahren und sich auch über die verschiedenen Praxisstellen und Aufgabenbereiche auszutauschen.


Auch die Unterrichtsform von "SchuB" unterscheidet sich von anderen Hauptschulklassen. Dadurch, daß der Klassenlehrer nahezu alle Fächer unterrichtet, gibt es einen flexiblen Stundenplan. Teilweise dürfen die Schüler selbst entscheiden, ob sie zum Beispiel zuerst Mathe oder Deutsch machen möchten.

Sowohl Schulleiter Glänzel als auch das SchuB-Team sind mit der bisherigen Bilanz sehr zufrieden und sehen optimistisch dem kommenden Schulhalbjahr, in dem dann auch der Hauptschulabschluß ansteht, entgegen.



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