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Der Weg des Grauens



Aus der Sicht eines Opfers:

 

dwdg01s.jpgEs war der 08.Mai 1941, die schwarzen Busse parkten schon vor dem Monikaheim in Frankfurt. Sie sollten uns nach Hadamar in eine Heilanstalt bringen. Die Busse waren sehr klein und eng, ihre Fenster waren schwarz und man konnte weder hinein noch hinaus schauen. Es wurden mit mir 25 andere Kranke in diesem Bus befördert.

 



In Hadamar angekommen, parkten die Busse in einer engen Garage, wir mussten alle aussteigen. Danach wurden wir durch einen kleinen Hintereingang in ein großes weißes Zimmer gebracht, in dem viele Betten standen. Hier sollten wir unsere Klamotten ablegen und wurden zu einem Arzt gebracht, dieser untersuchte uns und kontrollierte unsere Krankenakte, danach notierte er sich einige Merkmale und schickte uns zum Duschen.

 

dwdg02s.jpgEinige Pfleger brachten uns nun in den Keller, um dort in einem etwa 14qm kleinen Raum mit den anderen zu duschen. Da wir ca. 50-60 Personen waren, war es sehr eng.

Keiner von uns konnte ahnen, dass dies nun die letzten Minuten unseres Leben sein sollten, denn es strömte kein Wasser, sondern Kohlenmonoxyd aus den Duschköpfen. Übelkeit, Sehstörungen, Herzstörungen, Schwindel und, da wir langsam bemerkten was wirklich geschah, auch Panik herrschte unter uns.
 

 

Aus der Sicht der Nationalsozialisten/Pfleger:

 

dwdg03s.jpgNach etwa einer Stunde stellten wir das Gas wieder ab und ersetzten es durch Frischluft. Wir hatten nun die Aufgabe, die ineinander verkrampften Leichen auf einen Schienenwagen zu legen. Die meisten wurden in den Krematoriumsraum geschoben. Einigen der Toten wurde aber im Sezierraum zu Forschungszwecken zuvor das Gehirn entnommen. Wir töteten von Januar bis August 1941 über 10.000 Menschen in unserer Gaskammer.

 

 

dwdg04s.jpgAm 24.August 1941 stoppten wir die Gasmordaktionen und bauten die Gasleitungen und Krematorien ab und schlossen die Anstalt. 1942 eröffneten wir anstatt der Tötungsanstalt eine psychiatrische Anstalt, in der wir bis März 1945 über 5000 Kranke verhungern ließen, überdosierte Beruhigungsmittel verabreichten, über 500 an Tuberkulose sterben ließen und 35 jüdische Kinder umbrachten. Diese Menschen setzten wir auf dem Klinikgelände in Massengräbern bei.

 

Nina Degen/Kim Kornett, 10cR (April 2007)

 

 

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