Top

Zur Geschichte von Hadamar


Die Nationalsozialisten richteten Tötungsanstalten ein, um ein idealistisches Rassenbild zu erhalten. In diese Tötungsanstalten, von denen es sechs gab, kamen Menschen die von den Nationalsozialisten als behindert, krank oder sozial unangepasst eingestuft wurden. Es gab bestimmte Richtlinien nach denen sie die Menschen mit Behinderungen einstuften. Die T4-Zentrale in Berlin regelte die Aufgabenführung der Tötungsanstalten. 40 Mitarbeiter bearbeiteten Meldebögen, in denen die Art und Weise der Behinderung angegeben war. Sie entschieden in wenigen Sekunden über Leben oder Tod. Die Todesurteile kamen mit speziellen Kurieren in die Kliniken wegen der Geheimhaltung. Anschließend wurden die Behinderten von den umliegenden Zwischenlagern, die der Vertuschung und Geheimhaltung dienten, in eine der sechs Tötungsanstalten geliefert. Dies wurde mit speziellen Bussen, deren Fenster zugemalt waren, damit niemand hineinschauen konnte, erledigt.

Wenige Stunden nach ihrer Ankunft in Hadamar wurden die Opfer über die Treppe (A) in den Keller geführt. Im Vorraum zur Gaskammer (C) mussten sie ihre Kleidung ablegen, von dort wurden sie in die als Dusche getarnte Gaskammer (D) geschickt. Gruppen von bis zu 60 Personen wurden mit Kohlenmonoxid erstickt. Der damalige Raum hatte zwei gasdichte Stahltüren und die damaligen Gasleitungen sind nur noch an den Wänden zu erkennen. Im Nebenraum (E) stand der Arzt und drehte den Gashahn auf. Durch ein kleines Fenster oder einem "Spion" in der Tür konnte er das Sterben der Opfer beobachten. Mit einer Lorenbahn, deren früherer Gleisverlauf noch an den Bodenausbesserungen zu erkennen ist (H), wurden die Toten zu den beiden Verbrennungsöfen (J) geschafft und dort verbrannt. Diese Öfen wurden bereits 1942 wieder abgebaut. Ihre Grundrisse und die Reste von abgesägten Eisenträgern sind im Boden noch zu erkennen. Bei bestimmten, vor der Ermordung ausgewählten Opfern wurde im eigens eingerichteten Sezierraum (G) auf einem der damals zwei Seziertische das Gehirn herausgenommen und zu "Forschungszwecken" an Universitätskliniken verschickt.

In Hadamar gab es zwei Tötungsphasen, in denen über 10 000 Menschen ums Leben kamen. Die 1. Tötungsphase ging von 1939 - 1941. In dieser wurden die Leichen verbrannt und der süßlich riechende, schwarze Rauch, der aus den Schornsteinen aufstieg, wehte über die Stadt.

In der 2. Tötungsphase, die von 1942 - 1945 andauerte, wurden die Leichen auf einem zur Anstalt gehörenden Friedhof in Massengräbern beigesetzt. Den Angehörigen der Opfer wurden falsche Todesursachen schriftlich vorgelegt, so konnte die Tötungsphase geheim bleiben.

Ralf Schnürer/Michael Sprey/Lucas Stöhr, 10cR (April 2007)

 

 

hadage01.jpg

 

A - Innentreppe zum Keller (Treppenhaus)
B - Außentreppe zum Keller (nachträglich)
C - Vorraum zur ehemaligen Gaskammer
D - ehemalige Gaskammer
E - früherer Standort der Gasflaschen
F - Vorraum zum ehemaligen Sezierraum
G - ehemaliger Sezierraum
H - ehemaliger Verlauf der Lorenbahn
J - ehemaliger Standort der Verbrennungsöfen
K - ehemaliger Kohlenkeller
L - Beispielhafte Opferschicksale 1941-1945

 

[...zurück]



druckerDruckversion

 

Top