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Besuch der Gedenkstätte Mönchberg bei Hadamar


Seit vielen Jahren besuchen die Abschlussklassen der Merianschule die Gedenkstätte Mönchberg bei Hadamar in Mittelhessen, um einen persönlichen Eindruck von einem Ort schrecklicher Verbrechen der nationalsozialistischen Zeit zu erhalten. Am 10.5.2006 waren die Klassen 9aH, 9bH und 10cR an der Gedenkstätte. Einen Tag später fuhren die 10aR und die 10bR. Die Vorbereitung und Begleitung der beiden Studienfahrten übernahmen die Geschichtslehrer Volker Dienhart, Tobias Brandt und Wolfgang Wolf. Die Schüler Tatjana Disterhof, Katja Lüft, Tolga Karaoguz und Timo Schaller aus der 10cR haben Berichte über den geschichtlichen Hintergrund und ihre persönlichen Eindrücke bei dem Besuch verfasst.

1. Die Geschichte von Hadamar

Hadamar war von 1941 bis 1945 eine Tötungsanstalt, vorher genauso wie nachher war es ein psychiatrisches Krankenhaus für behinderte und psychisch kranke Menschen. Es gab neben Hadamar noch 6 weitere Tötungsanstalten, in denen 70 000 Menschen umgebracht wurden. In Hadamar wurden insgesamt 15 000 Menschen umgebracht.

hadamar01.jpg Es gab zwei Mordphasen, die erste Phase dauerte 8 Monate, ihr fielen 10 072 Menschen zum Opfer (Januar 1941- August 1941). Die Opfer wurden mit Bussen nach Hadamar gebracht und mussten in einer Garage aussteigen, danach wurden sie zu einem Arzt gebracht, mussten sich dann vor ihm ausziehen und wurden untersucht. Sie wurden in den Keller geführt, um zu "duschen", in einem ca. 16 Quadratmeter kleinen Raum, der als Duschraum getarnt war. Wenn der Raum mit 80 Kranken gefüllt war, wurde der Raum geschlossen und mit Kohlenmonoxid gefüllt, nach 30 Minuten waren alle tot. Den Leichen, die vorher am Genick mit einem Kreuz gekennzeichnet wurden, wurden auf einem Seziertisch, der dort noch vorhanden ist, das Gehirn entnommen und zu Forschungszwecken weiter verwendet.

hadamar02.jpgDie Toten wurden auf Goldzähne untersucht, die dann auch herausgebrochen wurden. Anschließend wurden die Leichname in einem Ofen verbrannt. ( ihr Ankunftstag war auch ihr Todestag). In der ersten Mordphase ging es hauptsächlich um die Vernichtung "lebensunwerten Lebens". Die Nationalsozialisten bezeichneten damit Menschen, die unter Geisteskrankheiten, erblicher Blindheit oder Taubheit, Fallsucht oder Alkoholismus litten. Sie machten starke Propaganda für ihr Euthanasie-Programm (Gnadentod-Programm). Die NSDAP versuchte durch ein Beispiel den Bürgern zu zeigen, wie viele Reichsmark ein erbkranker Mensch bis zur Vollendung seines 60. Lebensjahres kostet. Nach damaligen Berechnungen kostete ein "lebensunwertes Leben" 50.000 RM, weshalb man lieber den Gnadentod geben sollte. In ganz Deutschland wurden insgesamt in 6 solcher Tötungsanlagen 70.000 Menschen umgebracht. Die zweite Phase, die nicht direkt von Berlin aus gesteuert wurde, dauerte von August 1941-1945, sie wird auch als "wilde und unkontrollierte Mordphase" bezeichnet.

In der zweiten Phase gab es in Hadamar richtige Zimmer, in denen die Kranken schliefen. Solange sie noch arbeiten konnten, wurden sie in Hadamar beherbergt, wenn sie schwächer wurden, wurden sie mit Medikamenten vergiftet und auf dem Friedhof beerdigt. Man dachte dass es 3500 Einzelgräber waren. Als die Amerikaner das Gebiet besetzten, machten sie Probegrabungen und fanden heraus, dass in den "Einzelgräbern" in Wahrheit 2-10 Leichen lagen. (ca. 5000 Tote in der zweiten Mordphase.)

(Tatjana Disterhof/Katja Lüft/ Tolga Karaoguz/Timo Schaller, 10cR)

2. Die Gedenkstätte Hadamar

hadamar02.jpg Die Gedenkstätte Hadamar wurde 1964 von vier Studenten gegründet. Heute gibt es dort zwei Sitzungsräume, zwei große Ausstellungsräume mit Texttafeln und dazu Bilder von den Opfern und Tätern. Ebenfalls ist dort noch vorhanden die alte Garage, die wieder neu aufgebaut wurde. (Wir waren die ersten Besucher, die in diese Garage durften). Im Keller befindet sich noch der Vorraum, der "Duschraum" mit den alten Fliesen und den Rohrleitungen (wo das Gas herausgeströmt kam), nebenan befindet sich der Sezierraum mit einem der zwei originalen Seziertischen. In einem anderen Raum standen die zwei Öfen, wo die Leichen verbrannt wurden, jedoch hängt dort heute nur noch ein großes Bild von einem Ofen. (Da die Öfen einer Firma gehörten, die sie wieder zurückforderte, existieren sie nicht mehr).

hadamar04.jpg Der Leiter unserer Führung, Herr Luckard, der selbst seinen Urgroßvater in Hadamar verloren hatte, berichtete uns von dem Geschehen und dem Leiden der Menschen in Hadamar. Danach arbeiteten wir selbstständig in kleinen Gruppen an den Texttafeln und informierten anschließend unsere Mitschüler über das Schicksal der Opfer. Während unserer Führung durch die Gebäude liefen wir den gleichen Weg, den die Opfer damals mit Angst durchlebten (dieser Gedanke jagte uns einen kalten Schauer über den Rücken). Zum Abschluss der Führung besuchten wir den neu gestalteten Friedhof und gedachten der vielen Toten, die in der Regierungszeit der NSDAP ums Leben kamen. Das Denkmal mit der Aufschrift "Mensch achte den Menschen" soll uns nie vergessen lassen was in dieser schlimmen Zeit passiert ist und dass dies nie wieder geschehen sollte.

(Tatjana Disterhof/Katja Lüft, 10cR)



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