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Heimatdichter Ludwig Bungert an der Merianschule

 

 

bungert01.jpgKurz vor dem Weihnachtsfest, am 18.12.2006, besuchte der Heimatdichter und ehemalige Lehrer Ludwig Bungert mit seiner Ehefrau Hildegard die Merianschule, um in den Klassen 7aR und 7bR einige seiner Mundart-Gedichte vorzutragen. "Noch bis vor 16 Jahren habe ich hier selbst unterrichtet und es ist gut möglich, dass eure Eltern zu meinen Schülern gehörten", so stellte sich Ludwig Bungert vor. Weiterhin berichtete er, dass er nach seiner Pensionierung eigentlich eines seiner sportlichen Hobbys, das Bergwandern in den Alpen, intensiv betreiben wollte, aber durch eine Herzoperation in seinen Aktivitäten eingeschränkt wurde.

 

bungert02.jpgSo verlegte er sich während seiner Freizeit auf das Sammeln typischer Ausdrücke der Seligenstädter Mundart. "Allein mehr als 500 Verben mit der Endsilbe "-ele" habe ich bislang gefunden", erwähnt er vor den staunenden Schülern. In seinen Gedichten geht es ebenso um alltägliche Ereignisse wie um Festtage, um Gegenwart und Geschichte von Ludwig Bungerts Heimat. Auf eine Anlehnung an das Hochdeutsche hat er bislang ganz bewusst verzichtet, auch wenn dies die Verständlichkeit erleichtern würde. So sind seine Verse schon heute Dokumente einer Epoche, die von seiner eigenen Kindheit in den dreißiger Jahren des letzten Jahrhunderts bis in die Gegenwart reicht.

 

bungert04.jpgIn "Mir Kinnär vum Moah" schildert der Heimatdichter beispielsweise, dass der Main mit seinen Wiesen vor mehr als sechzig Jahren der wichtigste Abenteuerspielplatz war. Als besondere Mutprobe bei den Jungen galt das Anschwimmen und Hinaufklettern auf einen der damals den Fluss befahrenden Schleppzüge. Man erfährt in diesem Gedicht aber auch von der Existenz zweier Badeanstalten im Main. Eine von ihnen besuchten die "kloahne Leud", während die andere eher Gäste "vum Club" anzog, die hier sogar Eintritt bezahlen mussten. Als sein persönliches Lieblingsgedicht bezeichnete Ludwig Bungert die Verse "De Chrisboahm", das mit den zur Jahreszeit passenden Worten beginnt:

 

"Woainoachde kimmd uff uns zou,
die Muddär hodd schun koah Rouh:
Vaddär es is Zeid,
bahl isses suh weid.
Märr brauche en Boahm,
breng uns oahn hoahm."

 

bungert03.jpgFrau Hildegard Bungert, die ihren Mann bei seinem Hobby aktiv unterstützt und selbst zwei Gedichte vortrug, freute sich jedenfalls über das Interesse der Schüler. Die humorvollen Verse verleiteten die Mädchen und Jungen zum "Mitdichten" in jener Ausdrucksweise, die vielen von ihnen auch in der heutigen Zeit durchaus noch vertraut ist. "Wir könnten doch einmal einige Verse von Herrn Bungert auswendig lernen und ihn dann bei seinem nächsten Besuch an der Merianschule damit überraschen", schlug Dominic am Schluss vor. Ob sich dies verwirklichen lässt, ist noch die Frage, aber dass Ludwig Bungert wieder zu uns kommen wird, das hat er uns fest versprochen.

 

 



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