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Und wir zogen gen Italien…

Sonntag, 10. Juni 2012
21.20Uhr Parkplatz Einhardschule; ein Meer aus Reisetaschen, Koffern, Kisten, Taschen, Beuteln und Schülern. Überall Schüler, na gut, einige Eltern und Geschwister sind auch da.
Das große Gepäcktetris beginnt. Leider sieht der Bus bzw. sehen die Busse weniger Level vor, als wir Material vorbereitet haben. Ergo -> Zusatzlevel Innenraum. Es gleicht einem Wunder, aber nach 45 Minuten (!) ist alles irgendwie unter, auch ich habe einen Platz für meine Tasche ergattert.
Ich persönlich hasse ja lange Busfahrten, immerhin kann ich auf meinem Platz beim Fahrer die Beine baumeln lassen. Die Fahrt ist, wie ich befürchtet habe, grausam. Immer dann, wenn ich am Einnicken bin, muss stark gebremst werden, fahren wir um Kurven oder der Bus macht wieder Geräusche. Nachts um 2Uhr etwa wechseln wir im strömenden Regen unsere Fahrerin Beatrice gegen Gernot aus. Jetzt haben wir immerhin ein wenig mehr Platz, da das zusätzliche Ding am Ende unserer Busses das Gepäck von den Sitzen aufnehmen kann.
Es schüttet wie aus Eimern! Ähnliche Prognosen haben wir für unseren Zielort, auch wenn ich nicht weiß, wie dieser eigentlich genau heißt. Apropos Namen und so… Warum bin ich eigentlich die Begleitperson der Klasse, die ich überhaupt nicht kenne? Ich beschließe Namen zu lernen. Die Fahrt läuft weiter und bleibt grausam. Ein Großteil der Schüler ist so fertig, dass er bei unseren Pausen nicht einmal mehr aussteigt. Nach 14 Stunden auf Achse sind wir endlich am Ziel.

Montag, 11. Juni 2012
Frei nach dem Motto „Neuer Tag ist erst, wenn ich geschlafen habe“ gestalte ich mir ein neues „Italienfahrten sind dann, wenn ich da bin“. Also bin ich jetzt da. Im Häuschen ist eine Dusche, welch eine Wohltat. Aber wo ist eigentlich der angekündigte Starkregen? Ich sehe nur blauen Himmel… Nach dem ersten Ankommen geht es an den Strand. Wie in einem Tourifilm: Sonnenschirme und Liegen in geraden Linien, natürlich gegen Gebühr. Wir belagern den schmalen Streifen, den wir nutzen dürfen. Ich frage die Schüler, die ich kenne, ob sie sich ausreichend eingecremt haben. Sie bejahen tapfer, am Abend straft sie das leuchtende Rot lügen. Eincremen: 5/6; mangelhaft bis ungenügend.
Beim Abendessen kämpfen zwei meiner Kollegen und ich mit dem Einschlafen; wir dopen uns mit Espresso. Vor, während und nach dem Essen, sehr zum Erstaunen der Bedienung. Dank des schwarzen Goldes in den kleinen Tassen schlafe ich nicht beim Fußballschauen mit dem Gesicht in meinem Essen ein.
Später am Abend geht es in die Disco des Camps. Abgesehen von ein paar dummdreisten Ausrutschern einiger weniger Schüler ist es ein lustiger Abend und um 0Uhr sammele ich die letzten Schüler aus den vier Klassen ein und wir laufen zurück. Endlich schlafen!
Nachtrag: In der Nacht macht der Kollege das Fenster zu… LUFT!!!

Dienstag,13. Juni 12
Die Sonne strahlt an einem blauen Himmel, weit in der Ferne am Horizont türmen sich Wolken. Während der Fahrt in Richtung Venedig zieht es schnell zu, am Busparkplatz erwartet uns heftige Schwüle, starker Wind und auf dem Weg zum Bootsanleger beginnt ein Platzregen. Im strömenden Regen geht es auf die Fähre, warum kann ich eigentlich noch immer nur acht Namen?
Eine von vier Klassen schafft es nicht rechtzeitig auf die Fähre und steht, durch den Regen winkend am Bootsanleger. Warum hat unser Boot eigentlich Schlagseite? Alles drängt sich steuerbord und zückt Fotos und ähnliche Geräte zur Bildaufzeichnung. Am Horizont zieht ein Tornado über die Vororte Venedigs. Ein beeindruckendes Schauspiel, aus der Ferne. Die am Anleger verbliebene Klasse bekommt ihn später noch viel näher zu sehen. Während uns der Regen nur ins Gesicht peitscht, hatten die anderen (angeblich) das Gefühl vom Regen geschlagen zu werden. Das mulmige Gefühl auf dem Boot oder bei den Wartenden ist verständlich. Als wir Venedig erreichen regnet es in Strömen, aber im Laufe der folgenden Stunde löst der Regen sich auf und die Sonne beginnt wieder auf uns herabzubrennen. Was soll man zu Venedig sagen? Massenhaft Touristen, um mal maßlos zu untertreiben. Eigentlich gibt es keine Ecke ohne Schulklasse oder Reisegruppe mit Fremdenführer. Wir heben uns ein wenig ab, wir machen mit den Schülern einen Stadtspaziergang. In müden Augen genervtes Desinteresse, wenn auch einzelne Fragen stellen. Am Hardrock Cafe entlassen wir die Schüler und auch der Kollege ist bald weg. Hmmm… Was mache ich jetzt die zwei Stunden? Ich laufe ein wenig umher, quetsche mich durch Tourimassen bis zum Markusplatz. Mehrere Minuten versuche ich die Beschilderung für den Ort der Gepäckabgabe (Vorraussetzung für den Besuch von San Marco) zu verstehen. Nach 10 Minuten gebe ich auf und gehe zum Treffpunkt, setze mich in den Schatten und lese. Eine amerikanische Rentnerin duscht mich versehentlich mit ihrem Mineralwasser. Memo an mich selber: Venedig von der Liste der Reiseziele streichen. Das brauche ich nicht noch einmal- Nach und nach tropfen die Schüler ein. Die Klasse, die auf der Hinfahrt schon die Fähre verpasste, verpasst sie erneut, dieses Mal, weil einige SchülerINNEN mit Taschen bepackt, zu spät kommen. Die Rückfahrt ist ereignislos bis langweilig. Im Camp angekommen, gibt es Essen und Fußball. Heute Abend muss ich nicht mit in die Disco, das machen die Kollegen. Mit zwei anderen Kollegen sitze ich vor dem Bungalow und wir quatschen.
Später siedele ich noch zu einer der 10ten (nebst Kollegin) um, die in einen Geburtstag reingefeiert haben. Bis 2Uhr höre ich lustige Geschichten aus der Schulzeit usw., wir lachen sehr viel und herzhaft. Manchmal habe ich zum Teil gruseliges Kopfkino, aber die Stimmung ist grandios. Auch um die Uhrzeit lerne ich noch neue Dinge. Die „LWL“ war mir bis dato als Begriff unbekannt. Um kurz nach zwei gehe ich ins Bett.
Nachtrag: Irgendwann in der Nacht höre ich Klingeln und Hämmern an der Tür. So viel zum Thema schlafen, ein Glück, der Kollege wird gesucht .

Mittwoch, 14. Juni 2012
Wie schön, ich habe mehr als fünf Stunden Schlaf abbekommen! Am Vormittag steht ein Beachvolleyballspiel auf dem Programm. Aber irgendwie sind nur drei von vier Klassen da. Hey, wenn „meine“ schon nicht da sind, kann ich wenigstens über Namen grübeln. Ich komme auf 15 von 21. Nach einem sportlichen Tag am Strand fahren wir nach Caorle, so viel ich weiß.
Wieder strafen rote Gesichter die Schüler für ihr Märchen von der Sonnencreme lügen. Eincremen 6- (ungenügend mit Sternchen!). Also Caorle, hm.. Ja, ganz nett, aber irgendwie hat eigentlich alles zu, außer der Eisdiele. Ich lasse mich zu einem Eis, die Kugel á 1,20€ hinreißen. Ich bereue den Rest des Tages. Im Schlenderschritt ziehe ich durch die Straßen und Gassen, treffe vereinzelte 10er, die noch immer den Mc D. suchen. Der Kollege kann schon irgendwie gemeine Sachen erzählen.
Zurück im Camp beginnt es ausgiebigst zu regnen. Zwei Klassen gehen gemeinsam essen und Fußball schauen. Mit den anderen Klassen schaue ich auf der Leinwand in der Disco Fußball: Deutschland vs. Holland. Die Stimmung unter unseren Schülern ist gut und im Gegensatz zu den anderen Schulklassen sind unsere nüchtern. Sehr schön! Ist ja auch eine Studienfahrt, so lernen sie wieder ohne Alkohol Spaß zu haben.
Mein Kollege und ich bleiben nach dem Spiel dort („Disoaufsicht“) nur irgendwie ohne Schüler. Habe ich erwähnt, dass mein Kollege beinahe eine Wette verloren hätte? Aber zum Glück wurde aus dem 2:1 kein 3:1.
Auf dem Weg von der Disco zurück gibt es eine Schlägerei. Ein Trümmerbruch und ein blaues Auge. Wie gut, unsere Schüler waren nicht beteiligt! Da keine Schüler in die Disco kommen, gehen wir zurück. 1km später kommen uns 20 Schüler entgegen, die grade zu uns wollten, also kehrt marsch und zurück. In der Disco ist absolut tote Hose. Der DJ kann noch immer nicht auflegen, grausam!! Durch Antanzen wird auch noch das letzte klassenfremde Mädel vertrieben. Ich tippe, es lag an der Wollmütze, die da angetanzt kam. Die Kollegin begleitet die ersten gelangweilten Schüler zurück. 10 Minuten später will auch fast der gesamte Rest gehen. Also: auf geht’s, abgehts… Wir kommen linksherum zurück und erfahren, dass die Kollegin wenige Minuten früher rechtsherum zurück zur Disco ist. Hm.. Der Weg war umsonst.
Wir beobachten den restlichen Abend Schüler, die Wasserspeier imitieren, sich als Steine ausgeben oder glauben, sie seien unsichtbar. Irgendwann lösen wir diese Showeinlagen auf und gehen schlafen.

Donnerstag, 17. Juni 12
Hui… Das ist schon echt früh, um 8Uhr aufstehen, wenn man erst um 2Uhr ins Bett ist, wie habe ich das früher nur überstanden? Liegt wohl an meinem jetzt doch fortgeschrittenem Alter.
Endlich Bus fahren, wie ich mich freue! Wo fahren wir noch mal hin? Hm, italienische Altstadt mit einem landestypischen Markt. Name? Keine Ahnung, und ein drittes Mal will ich nun wirklich nicht fragen. Die Altstadt ist idyllisch und auch hier ist der Kirchturm schief. Ist das hier eine Bautradition? Also, italienischer Markt ist irgendwie anders als bei uns. Hier gibt es alles, aber irgendwie keine Lebensmittel sondern Kleidung, Kleidung, Schuhe, Kleidung, Zeug usw. In den Gassen verteilen sich scheinbar unendlich viele identische Marktstände. In einer Gasse finden mein Kollege und ich endlich ein Bistro für ein kleines 2. Frühstück, aber irgendwie ist das kein Apfelkuchen, was der Kollege mir da besorgt hat. Die Sonne knallt nur so vom Himmel, zum Glück sitzen wir im Schatten. Am Treffpunkt sprechen wir mit Schülern und versuchen sie so zu dirigieren, dass nicht 110 Schüler alle Wege blockieren… Sortieren, suchen, zählen, … alle da. Müssen wir jetzt wirklich wieder Bus fahren? Im Camp komme ich endlich zum Kartenschreiben. Die Schüler ziehen zum Volleyball, Beachfußball spielen oder schwimmen. Ich folge später, um Kollegen bei der Aufsicht abzulösen. Warum habe ich jetzt eigentlich Seetang auf der Brust und ein Schüler fragt „Was ist grün und mag sie?“ Spaß muss sein. Vom Seetangweitwurf gehe ich zum Wasserball über. Später habe ich das Bedürfnis die Salzkruste von meiner Haut zu kratzen und Apres sun auf selbige zu bringen. Am Abend gehe ich mit dem Kollegen und der Klasse essen. Ein hübsches kleines Lokal mit Blick auf das Meer, schöne Gespräche, passables Essen – ein gelungener Abend. Wir ziehen zum Strand um Klassenfotos zu machen. *platsch* Eine Welle ist in meine Schuhe geschwappt, die Schüler haben Spaß und ich habe nasse Füße. Zurück im Camp motivieren wir noch einige Schüler mehr als die ersten 20 und gehen in die Disco. 6 Kollegen und ein Haufen Schüler. Sie sind ein wenig träge und sitzen erstmal nur und schauen, aber nach und nach brechen die Dämme und es wird getanzt. Hehe, jetzt müssen sie auch damit leben, dass wir auch tanzen. Großes „Hallo“ bei den Schülern, aber der DJ hat so gar keine Ahnung von Musik. Schrecklich! Auf dem Weg in Richtung Bett klemme ich mir einen Schüler unter den Arm, bevor der noch Ärger macht, frei nach dem Motto „der hat mich angeschaut!“. Gut gemacht, alles super. Situation entschärft Schüler beruhigt. Auf dem Weg kommen wir in ein intensives Gespräch über Schulabschlüsse und Zukunftsplanung, krass dabei ist es schon nach 2Uhr in der Nacht. Schnelle Bewegungen in der Schülergruppe reißen mich aus dem Gespräch. Muss das sein? Ich hätte echt darauf verzichten können, aber wir sind ja rund um die Uhr im Dienst. […] Ich spreche mit Schülern und wir amüsieren uns gut: „Warum steht da eigentlich eine Pfanne auf dem Weg?“ oder „Man beachte den Hüftschwung beim Bodenwischen“. Um 5Uhr falle ich dann doch in mein Bett, in zwei Stunden geht der Wecker!

Freitag, 18. Juni 12
Ich will nicht aufstehen! Es ist ein Kampf, alles tut weh und müde und überhaupt… Kaffee, Frühstück, packen und zum Bus. Die Busfahrt ist die Hölle für mich, Schlaf ist kaum zu bekommen, dafür ist die Filmauswahl einigermaßen ok, aber der Kaffee! Von Rastplatz zu Rastplatz wird er immer und immer mieser!


Nach 14 Stunden sind wir endlich in Seligenstadt. Als ich endlich daheim bin, schlafe ich bevor mein Kopf das Kissen berührt.
Eine tolle Fahrt mit vielen, vielen tollen Menschen, aber jede Woche will ich das nicht machen und wenn ich die Wahl habe... Meine Klasse muss Zug fahren auf Klassenfahrten.



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