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Besuch Hadamar 2013

Wie in jedem Jahr haben unsere Abschlussklassen die Euthanasiegedenkstätte in Hadamar besucht. Insgesamt waren in diesem Schuljahr acht Abschlussklassen aus Seligenstadt dort, im Anschluss findet sich ein Bericht von zwei Schülerinnen aus Klasse 10.

Wir haben uns in der zehnte Klasse mit Nationalsozialismus im Geschichtsuntericht beschäftigt, eines der Themen davon waren die Massenmorde, die in Hadamar durchgeführt wurden. Hadamar ist eine relativ abgelegenen Stadt und wurde als Standort der T4 Euthanasie Aktion verwendet. Die Tötungsstätte Hadamar liegt auf dem Mönchberg in Mittelhessen in der Nähe von Limburg.
Die Pflegekosten für Geisteskranke wurden durch Nazi Gesetze reduziert. Die Nationalsozialisten glaubten, dass es eine Geldverschwendung sei, geistig- und körperlich Behinderte zu unterstützen. Sie verkauften ihre Ideen durch die Propaganda. Es wurde damals gesagt, dass sowohl geistig- als auch körperlich kranke Menschen dem Staat nicht dienen können und nur Geld kosten, was "besser" investiert werden kann und dass sich die Krankheiten der Menschen weiter vererben würden und so mussten sie diese Weiterverbreitung "stoppen".
Zwischen Januar 1941 und März 1945 wurden in Hadamar ca. 14500 Menschen wegen psychischen Problemen oder Behinderungen umgebracht. Dazu gehörten: blinde und taube Menschen, als idiotisch bezeichnete Menschen, halbjüdische Kinder, Homosexuelle, Alkoholiker, senile Menschen, Menschen mit Schizophrenie, Depression, Huntington-Krankheit, erblichen Krankheiten, Epilepsie usw. Nach dem Tod dieser Menschen, ein wichtiges Kriterium für die Tötung war Arbeitsunfähigkeit.
Große graue Busse fuhren täglich durch Hadamar und brachten Hunderte von Opfern aus den Zwischenanstalten von Herborn, Weilmünster, Kiedrich, Idstein, Nassau, Langenfeld, Andernach, Wiesloch und Weinsberg. Der Grund für diese Zwischenanstalten war, Menschen in der Nähe von Hadamar zu halten, bereit zur Vergasung. Gleichzeitig wurden sie entfernt gehalten um die Möglichkeit eines Besuches zu verhindern.
Es gab damals zwei verschiedene Varianten, wie die Menschen in Hadamar getötet wurden. Die eine Variante war die Vergasung in der Gaskammer und die andere war die Überdosis von Medikamenten. In der ersten Mordphase wurden die Menschen durch eine Kohlenmonoxidvergiftung in der Gaskammer, die im Keller lag, getötet (50 auf einmal). Zuerst wurden sie von einem Arzt untersucht. Der Arzt hat die Goldzähne geprüft, die nach dem Tod rausgenommen werden und hat bestimmt, ob ihr Gehirn für die Forschungszwecke seziert werden sollte. Den Menschen wurde bei der Einlieferung in die Psychiatrische Anstalt gesagt, dass sie geduscht werden um sauber und rein zu sein, stattdessen strömte so lange Gas in die Kammer, bis alle Menschen tot umfielen. Anschließend wurden die Leichen in den Krematoriumsraum gebracht, um verbrannt zu werden. Zwei Leichen wurden zur gleichen Zeit verbrannt und die Asche vermischt. Der Rauch und der Geruch schwebte über der ganzen Stadt.
Die Ursache des Todes für den Totenschein wurde durch den Arzt bestimmt. Herzschwäche und Darmentzündungen wurden häufig verwendet. Der Tod wurde als eine ,,Erlösung" von ihrer Behinderung bezeichnet. Das Datum wurde auch geändert, um mehr Geld von den Versicherungen zu erhalten.

Am 24. August 1941 wurde die Tötung in Hadamar auf Befehl Hitlers wegen des Protestes des bekannten Bischofs von Limburg eingestellt. Das Töten in Hadamar wurde im Jahre 1942 wieder aufgenommen, als Teil der zweiten Phase der Euthanasie. Bei der zweiten Mordphase wurden die Menschen mit einer Überdosis an Medikamenten ermordet und wurden dann anschließend auf dem eigenem Friedhof in Massengräbern begraben. Ca. 4000 Menschen wurden ermordet und ein großer Teil davon waren Kinder.
Mitglieder des Personals aus Hadamar wurden schließlich 1945 in Wiesbaden vor Gericht gestellt ebenso im Jahr 1947 in Frankfurt / Main. Sie wurden als verantwortlich gemacht für die Tötung von ca.10.000 Menschen. Die Gerichtsverhandlung, die in Hadamar im Oktober vorausgegangen war, war eine der ersten amerikanischen Gerichtsverhandlung über Kriegsverbrechen.

Zum Schluss haben wir etwas über unsere Erfahrungen bei dem Ausflug nach Hadamar zu sagen. Als wir ankamen hatten wir nicht erwartet, dass Hadamar noch als eine psychiatrische Anstalt aktiv ist. Gleichzeitig ist es eine Rehabilitationszentrum für Junkies und der Friedhof, wo Tausende von Opfer begraben wurden, wird als Mahnmal und therapeutisches Werkzeug verwendet. Die offizielle Gedenkstätte wurde im Jahre 1983 eröffnet. Die Projekte und das internationale Interesse an Hadamar steigen von Jahr zu Jahr und wir waren alle überrascht , wie sich Hadamar aus einem solchen Ort des Schreckens zu einem positiven Ort entwickelt hat.

Lisa Wagener & Christina Jacob



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