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Go west - go to Wisconsin - 1. Bericht

Eines muss an dieser Stelle einmal festgehalten werden: Nachts ist es in Seligenstadt auf dem Parkplatz extrem dunkel, und zum anderen sollte man ein Taxiunternehmen bzgl. Abfahrtszeiten zu nachtschlafender Zeit lieber noch einmal kontaktieren. Die Zeit, in der wir also warten, nutzen wir um ein wenig mit den Schülern zu sprechen und ein wenig mit den Eltern über das Bevorstehende zu reden. Wenn man das grade nicht tut, kann man die Fenster unserer Schule beobachten und feststellen, dass technische Geräte in diesem Haus ein Eigenleben zu führen scheinen. Da gehen Lichter ohne erkennbaren Grund an, PC Monitore werden hell und wieder dunkel, aber nicht in einem erkennbaren System. Naja, das soll mich nicht belasten, immerhin gehen wir ja auf große Reise. Als dann unser Transportmittel mit einer halbstündigen Verspätung doch ankommt , können wir uns auf den Weg machen. Schnell sind wir am Flughafen, gut um die Uhrzeit ist ja sonst auch eigentlich kein Mensch unterwegs. Auch der Flughafen ist eigentlich noch wie ausgestorben. Ich frage die Jungs und Mädels bei der Gepäckabgabe, ob sie nicht vor hatten, in den USA ein wenig zu shoppen, weil ihre Koffer jetzt schon sehr nahe am Maximalgewicht sind. Als Antwort bekomme ich Sätze wie "Oh, ich habe 6kg Gastgeschenke in meinem Koffer" Hm, keine weiteren Fragen von meiner Seite. Memo an mich selber: Nächstes mal später fliegen, dann bekommen wir vorher auch Starbucks Kaffee für die Schüler, die sind so knatschig seit sie sahen, dass Starbucks erst nach dem Abflug aufmacht.

Der Flug von Frankfurt nach London ist unspektakulär. Die einzige wichtige Beobachtung ist, dass man bei nicht deutschen Fluggesellschaften ein eindeutig besseres Frühstück auf Kurzstreckenflügen bekommt. Außerdem ist der Kaffee hier eindeutig besser als beim deutschen Platzhirsch...

Kaum haben wir den Flieger in London verlassen, ist sie wieder da, diese absolute Unart der heutigen Zeit. Ohne eine sichtliche Unterbrechung hauen unsere Schüler Buchstaben in ihre kleinen Begleiter, eine Kommunikation in der Gruppe ist nicht festzustellen, außer das sie sagen, wem sie gerade schreiben. Warum müssen fünf Leute der gleichen Person schreiben? Warum ist diese dann beleidigt, wenn nicht alle immer sofort auf das absolut sinnfreie Geblubber antworten? Warum zur Hölle gibt es an diesem Flughafen eigentlich kostenfreies Wlan? Ist ja eine tolle Sache, aber die Kommunikation mit den Menschen der direkten Umgebung steigert es mit Sicherheit nicht. Länger als 60 Sekunden schaffen es eigentlich nur die Jungs das Gerät in der Tasche zu lassen, die Mädels legen es nicht aus der Hand. Man könnte fast meinen die Briten haben einen noch größeren Sicherheitsfimmel als die Amis oder die Israelis. Die Sicherheitskontrolle hier ist schärfer als die in Chicago und Jerusalem zusammen...

So, jetzt hängen wir in diesem riesigen Flughafen fest, ganz toll. An unser Gate können wir nicht, weil Gates erst knapp eine Stunde vor Abflug angegeben werden, so hängen wir also rum. Den Jungs und Mädels macht es nichts, die haben ja ihre kleinen Kommunikationsgeräte, dann muss man sich ja nicht mit der Gruppe unterhalten. Eines steht fest, dieser Flughafen ist grausam! Nächstes Mal fliegen wir über Stockholm, Paris oder wegen mir über Peking in die USA, aber NIE WIEDER Heathrow! Es stinkt wie in einer überdimensionalen Douglasfiliale und es gibt keine Chance auch nur für ein paar Minuten irgendwo an die frische Luft zu kommen. Ich bin froh, als wir die Insel endlich in Richtung Staaten verlassen.

Der Flug ist unglaublich angenehm, zumindest für mich, und wieder ein großer Unterschied zum Flug von vor zwei Jahren. Als auch nach dem fünften Versuch mein In-seat-entertaiment nicht zum Laufen gebracht werden kann, werde ich gebeten mich auf einen anderen Platz zu setzen. So weit, so gut.. Ich folge dem Steward und finde mich in der Buissnesclass wieder. Muss ich jetzt ein schlechtes Gewissen haben? Hm.. Nein, ich denke nicht, die meisten schlafen eh und ich sitze ja nur sechs Reihen weiter vorne.

Es gibt Menschen die machen ihren Job gut, esgibt Menschen die machen ihren Job schlecht, es gibt Menschen die arbeiten um anderen zu helfen und dann gibt es die, deren Ziel es ist, andere Menschen zu schikanieren. Warum müssen unsere Schüler ausgerechnet an so jemanden geraten? Ich stehe in der mir zugewiesenen Reihe bei der Imigration an, als ich zu einem unserer Schüler gerufen werde, alleine das ist schon komisch. Der Kollege und einige Schüler sind schon durch und am Gepäck und ich darf mich mit einer "hoch motivierten" und "freundlichen" Dame herumärgern. Warum sollen wir plötzlich ein anderes Visum benötigen? Was ist mit der Adresse nicht okay? Warum wir so einen frechen Umgangston hätten? Ich glaube ich bin im falschen Film! Was soll man machen, ich hab keine Lust mit einigen Schülern wieder in einen Flieger heim gesetzt zu werden. Also lächeln, winken und die absolute Scheißfreundlichkeit auftragen. Nach vielen panikvollen Minuten, schweißnassen Händen und einem Puls wie nach einem Sprint dürfen wir dann "gnädig" doch alle einreisen. Erleichterung!


Die nächste freudige Überraschung bei der Zollkontrolle. Während man uns schon antreibt den Bereich zu verlassen, zieht man drei der Mädels raus und wir dürfen nicht mit. Zum Glück kommen sie ohne Schwierigkeiten nach einer weiteren Durchleuchtung der Koffer am anderen Ende der Halle an. Schnell zum Bus bevor die sich hier noch etwas einfallen lassen! Mit unserem Busfahrer Steven, dessen Familie 1857 aus Deutschland nach Wisconsin gekommen ist, erreichen wir zügig (ca. 3 Stunden) Manitowoc und steuern auf den Parkplatz zu. Warum ist der Parkplatz leer? Keine Menschen. Keine Autos. Irgendwas ist hier eindeutig falsch gelaufen. Wir werden auf dem Lehrerparkplatz erwartet. Noch bevor die Koffer richtig aus dem Bus sind, sind die ersten Kids mit ihren Gastfamilien schon auf dem Weg. Ich bin gespannt, was sie morgen beim Potluck Supper berichten werden.

Das Potluck findet wieder im School forest, einer Art Landschulheim am Lake Michigan, statt. Das, was ich zunächst für einen Zug halte, ist die Brandung des Lake Michigan. Schade, dass wir sowas wie einen School forest nicht haben. Die Gastfamilien und unsere Schüler scheinen absolut happy zu sein, naja leider irgendwie nur fast alle. Aber damit werde ich mich hier nicht beschäftigen, die Aufregung und das Geheule muss man nicht noch für die Nachwelt sichern.
Die Schüler sind noch ein wenig übermüdet, so der eine oder andere Name der Gasteltern sitzt noch nicht so ganz, aber eine schöne Veranstaltung und viel zu essen . In diesem Jahr ist die Atmosphäre wesentlich entspannter als vor zwei Jahren irgendwie, die Familien quatschen untereinander, die Jungs werfen sich Bälle zu und die Mädels quatschen und kichern. Ein gelungener Abend.

Der Montag beginnt mit einer Begrüßung in der Aula der Lincoln High. Gegen diese Aula können zahlreiche deutsche Theater nicht im geringsten ankommen, ein echt schöner Ort. Wir werden von einer der Schulleiterinnen begrüßt. Memo an mich selber: Ich werde nie wieder einen Schüleraustausch machen bei dem Schülern erlaubt wird ihre Smartphones mitzunehmen. Selbst jetzt sind sie nur am Tippen, obwohl ich sie mehrfach angesprochen habe. Merken die das nicht mehr??
Die Führung durch die Lincoln High strengt unsere Jungs und Mädels scheinbar an. Okay, halten wir ihnen mal zu Gute, dass die Schule ungefähr 4 bis 5 mal so groß ist wie unsere, es jede Menge Treppen, Flure, Durchgänge, Türen und Unmengen Dinge zu sehen gibt. Es stimmt aber, hier gibt es in jeder Ecke Dinge zu entdecken die komplett anders sind als bei uns. Wenn ich so einige Sachen sehe, werde ich wieder neidisch auf die Kollegen hier, aber auch die Schüler sind mehr als beeindruckt. Nicht nur einmal kommt die Frage der Schüler, warum die so viel Platz haben, warum die Ausstattung so gut ist und überhaupt warum im Vergleich dazu die deutschen Schulen so schlecht ausgestattet sind. Unsere Schüler sind also nicht nur beeindruckt von der Größe der Schule. Hier gibt es aber auch einfach alles, dass muss man schon zugeben und der Neid ist berechtigt.
In den folgenden Stunden nehmen wir mit einer großen Zahl Schüler am Deutschunterricht teil. Große Vorstellungsrunden auf Englisch und Deutsch, Fragerunden und am Ende stellt man fest, dass man gar nicht so verschieden ist, nur die Hobbys sind stellenweise doch sehr unterschiedlich. Jagen und Camping sind halt nicht so die durchschnittlichen deutschen Hobbys. Es macht Spaß die Interaktion zwischen den deutschen und den amerikanischen Schülern zu beobachten, wie sie sich unterhalten und austauschen, zusammen über Arbeitsblättern und Lektüre brüten und, ich traue meinen Augen kaum, es werden kleine Zettelchen geschrieben und sich gegenseitig zugeschoben, ich bin schwer beeindruckt.
Ein langer erster Schultag geht seinem Ende entgegen, mal schauen was so als nächstes passieren wird!



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