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Go west - go to Wisconsin - Part 2

Der zweite Tag ist ein ganz normaler Schultag für alle von uns, für unsere Schüler, aber auch für uns als Lehrer. Im Deutschunterricht erkläre ich, bzw. versuche ich, den amerikanischen Schülern zu erklären, warum es keine gute Idee ist in einer Konversation zu sagen "Ich bin warm". Die amerikanischen Schüler verstehen es schneller als einige der unseren.. Sehr komisch..
Zwischen den Stunden haben wir immer wieder die Gelegenheit uns mit unseren Schülern zu unterhalten, sie berichten von ihren Erlebnissen oder stellen Fragen zum Lebensalltag der Amerikaner oder zum Schulsystem. Schon jetzt wissen sie, dass es für sie ein unvergessliches Erlebnis ist, für uns ja auch immer wieder :-)

Mittwoch steht unser erster "Fieldtrip" auf dem Programm, wir fahren nach Madison. Madison ist die Hauptstadt des Staates Wisconsin und ist rund 130 miles (grob gerundet 200km) von Manitowoc entfernt, einfacher Weg. Mit unseren Schlachtschiffen, ein anderes Wort bezeichnet diese Art von Bussen nicht, schippern wir über den Highway und über die Interstate. Die Geschwindigkeit ist ja vorgegeben, also den Tempomat einschalten und dann immer rollen lassen und der Tankanzeige beim Fallen zusehen. Ich glaube ein Flugzeugträger der Navy hat den gleichen Verbrauch wie diese "Busse".
Auf dem Weg stoppen wir an einer Mall um eine kleine Toiletten- und Getränkepause zu machen. Es ist erstaunlich, innerhalb von 30 Minuten schaffen es unsere Schüler bepackt mit Tüten von Victorias Secret und Hollister wieder auf dem Parkplatz zu erscheinen, in der Hand einen Becher von Starbucks. Gibt es Hollistertüten eigentlich auch für Männer? Muss ich, für den unwahrscheinlichen Fall, dass ich dort was kaufe, wirklich mit einem Sixpack-Milchbubi auf der Tüte durch die Gegend laufen? Einer von den Jungs hat es richtig gemacht, er hat sich geweigert die Tüte zu nehmen.


Pünktlichkeit ist auch noch nicht die Stärke der Gruppe, 10 Minuten nach der vereinbarten Zeit kommen die letzten ganz entspannt anspaziert. Memo an mich selber: In zwei Jahren nur Schüle, die die Uhr lesen können!
In Madison ist die größte Herausforderung ein Parkhaus zu finden, in welchem unsere Schlachtschiffe ankern können, wir finden eines, aber die Angst sitzt im Nacken, als wir uns im Parkhaus hochschrauben, gefühlt ist keine Handbreit zwischen Auto und Betonstrebe.
Wir laufen auf das Capitol zu, einen beeindruckenden Bau, der absolut baugleich mit dem Capitol in Washington ist, unsere Kids quatschen und reagieren nicht auf die Ansprache von meinem Kollegen. Erst als er ruft: "Da ist Hollister!" hat er die volle Aufmerksamkeit der Gruppe. Memo an mich selber: Nächstes Mal keine Marken-Shopping-Fetischisten.
Wir machen eine ganze Reihe von Gruppenfotos vor dem Capitol, bevor wir eine Führung im Capitol absolvieren. Ich bin wieder beeindruckt, wie gut sich unsere Gruppe benehmen kann .Es ist beeindruckend, dass man in ein Regierungsgebäude in den USA ohne jegliche Kontrollen reinkommt. Noch beeindruckender ist allerdings, dass es den Bürgern sogar gestattet ist innerhalb des Gebäudes zu demonstrieren, bei uns undenkbar. Die Akustik der Kuppel verstärkt den Gesang der Demonstranten um ein Vielfaches, nur die Melodie verbinde ich mit einem Kinderlied und habe die folgenden Stunden einen Ohrwurm. (Alle Kinder lernen lesen...). Vom Dach des Capitols aus haben wir einen tollen Ausblick über Madison, wichtigstes Anliegen einiger Damen: "Halten wir auf dem Heimweg wieder bei Hollister?" Lasst mich kurz überlegen... Nein!
Wir schippern zurück in Richtung Heimat mit unserem Schlachtschiff und gefühlten 20 Bruttoregistertüten Shoppinggütern an Bord.

Eine kurzfriste Planänderung ist nicht immer die schlechteste Idee, aber in diesem Fall war es sogar eine richtig gute! Wir haben das Museum gegen ein paar andere Aktivitäten eingetauscht. Direkt neben der Schule ist ein Kraftwerk, das wir besuchen und besichtigen. Das Kraftwerk versorgt die Schule und das Gefängnis mit Energie und Wärme, ist ja eigentlich auch das Gleiche ;-) Es gibt ja Dinge, mit denen hab ich ein Problem, eines davon ist ein Boden, an dem vorbei ich in die Tiefe schauen kann. Der Gitterboden fällt mir erst auf, als ich in der 9. Etage aus dem Aufzug trete und bis gaaaanz unten durchschauen kann. Aber ich überstehe auch das gut. Nach der Führung erfahre ich aber auch von anderen, dass sie Probleme mit dem Gitterboden hatten. Nicht nachvollziehen kann ich allerdings, wie man bei diesem riesigen Kraftwerk ein Auge auf die Spinnen haben kann, ich habe keine gesehen, aber andere scheinbar schon. Diese Tiere haben sie scheinbar so abgelenkt, dass danach gefragt wird: "Was haben wir uns da grade angeschaut?" Verzweiflung... Was? Dreckig war es auch? Äh, ja.. War ja auch ein Kohlekraftwerk...


Wir laufen weiter durch Manitowoc und erreichen das Department of Saftey. Sergeant Bruce Jacobs zeigt uns die Ausstattung eines amerikanischen Polizisten, legt den amerikanischen Kollegen in Handschellen, zeigt ein Handyvideo, in dem er den Bürgermeister mit dem Elektrotaser umlegt und posiert für zahlreiche Fotos mit unseren Schülern. Extrem beeindruckend das ganze! Wer kann schon behaupten, dass er mal in einem amerikanischen Streifenwagen gesessen hat? Dieser ist übrigends extrem unbequem, aber leicht zu reinigen. Die Ausstattung im Kofferraum kommt an die von Spezialtruppen in Deutschland heran, und generell ist die Ausstattung einfach nur umfassend für alle Einsatzlagen. Für ein Foto posiert dann auch der Kollege noch in Handschellen, während andere mit Schutzweste und Schutzschild in die Kameras blicken.


Von der Polizei sind es nur drei Schritte zur Feuerwehr. Hier zeigt uns M. Fabian die Einrichtung und Ausstattung der amerikanischen Firefighter. Dass das Workout ein fester Bestandteil des Arbeitstages ist, sieht man den Männern und Frauen auch an, aber beim Probehalten einzelner Einsatzgeräte wissen wir auch schnel,l warum das Training so wichtig ist. Vielleicht sollte man bei uns auch mal über ein Sporttraining als Bestandteil des Arbeitstages nachdenken, so für (fast) alle Berufsgruppen. Unsere Leute drücken sich ja nur zu gerne vor dem Sport, bzw. dem Sportunterricht. Sachen vergessen gilt hier nicht, es gibt Ersatzkleidung in allen Größen, und wer wann seine Tage hat wird notiert.
Nach diesen drei Stationen ist klar, sie haben das Museum um Längen geschlagen, auch in meiner Wahrnehmung.


Der Weg führt uns zu "Animal Pizza" für ein Mittagessen mit den Schülern. Mit einem hätte ich aber nicht gerechnet, nicht das Bestellen mit einer amerikanischen Speisekarte ist das größte Problem. Zu unserem Entsetzen ist von 14 Schülern nur einer in der Lage auszurechnen, wie viel Trinkgeld er geben muss. 10% von 7,80$ ist auch eine extreme Herausforderung.. Memo an mich selber: Beim nächsten Casting gibt es einen Bogen mit Matheaufgaben der vollständig zu lösen ist, ohne Taschenrechner!
Der Rückweg zur Schule ist unkompliziert und schnell erledigt, wir bringen die Schüler zu ihren Gastschülern in den Unterricht, vielleicht macht ja grade jemand Prozentrechnung...
Wir fahren zu Luloffs um die Schlachtschiffe zu bezahlen und danach besorgen wir einige Kleinigkeiten, bevor wir den Schultag ausklingen lassen und die kommenden Tage planen und organisieren. Was ich mich auf einen Kaffee freue...



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