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Go west – go to Wisconsin – Part 4

Dass Alkohol gefährlich sein kann, wussten wir ja alle schon, aber dass es so enden musste… Aber fangen wir nicht mit dem Ende, sondern vorne an.

Da ist er wieder, der Moment des Abschiedes, der Abschied von den Gastfamilien und neu gewonnen Freunden. Es ist 8 Uhr am Morgen und in einigen Augenwinkeln schimmern Tränen, aber unsere Zeit in Manitowoc ist abgelaufen . Es werden letzte Bilder gemacht und schweren Herzens scheuche ich die Jungs und Mädels in den Bus, in dem unser Gepäck schon wartet. Unsere Reise geht weiter: Chicago!

Im Bus besprechen wir noch einmal einige Dinge für Chicago und den Aufenthalt im Hotel. Erstaunlicherweise geht die Zimmertauscherei ohne große Schwierigkeiten vonstatten. Vom Bus aus können wir die Skyline schon sehen und dann sind wir auch schon am Hotel. Immerhin, dieses Mal sind schon zwei Zimmer fertig und wir können das Gepäck auf zwei Zimmer verteilen, bevor wir uns auf den ersten Weg in die Stadt machen.

Wir laufen zum Hancock-Tower, einem der höchsten Gebäude in Chicago. Von der 94 Etage aus hat man einen eindrucksvollen Ausblick auf den Lake Michigan, die Skyline von Chicago, aber auch über die Größe der Stadt, für uns scheint sie bis zum Horizont zu ragen. Die Audiotour, die vor zwei Jahren noch im Eintrittspreis inklusive war, soll jetzt extra kosten, sehr schade aber leider zu teuer. Auch so ist es ein Erlebnis für alle. Dieses vorsichtige erste Rantasten an die großen Fenster, die bis zum Boden reichen und so einen Blick in den über 400m tiefen Abgrund ermöglichen.

Während unsere Schüler die Wirtschaft des Bundesstaates Illinois durch ihr Konsumverhalten fördern, gehen der Kollege und ich erst einmal was essen. Ok, wir schließen uns dem Konsum dann auch noch an. Als wir unsere Gruppe dann (vollständig UND pünktlich!) am ausgemachten Treffpunkt wiedersehen, baumeln doch einige Tüten an deren Händen. Ich frage mich, ob und insbesondere wie, das eigentlich alles in die Koffer soll. Den Erzählungen nach sind die doch schon so voll.

Trotz des langen Tages und der doch beachtlichen Strecke Fußweg die wir absolviert haben, wollen einige Schüler noch den Fitnessraum aufsuchen. Dieses Projekt scheitert aber daran, dass sie nicht volljährig sind und keine Einverständniserklärung der Eltern haben, wie wir später erfahren. War das vor zwei Jahren auch so? Memo an mich selber: Darüber nachdenken, ob wir 2015 vorher die Eltern über diese Einverständniserklärung informieren sollten.

Der nächste Morgen begrüßt uns mit strahlendblauem Himmel und angenehmen Temperaturen, es könnte nicht schöner sein! Man soll den Tag ja nicht vor dem Abend loben, aber ich glaube wir werden eine ganz tolle Zeit hier haben. Keiner meckert über das Zimmer, keiner hat im Koffer geschlafen, ein echter Gewinn gegenüber 2011. Im Sonnenschein schlendern wir zu einer bekannten Ladenkette, die fettgebackene Süßspeisen anbietet. Zum Glück haben die auch Kaffee, Bagel und belegte Brötchen. Anschließend wechseln wir die Straßenseite und gelangen so in den Millennium-Park mit einem der Wahrzeichen von Chicago: dem „Cloud Gate“. Erinnert zwar mehr an eine überdimensionale Bohne, aber ist ein echter Hingucker, wenn sich darin die Skyline und der Himmel so spiegeln. Der Weg führt uns weiter durch den Park, vorbei an der modernsten Freilichtbühne der USA, durch blühende Gärten und über allem der Blick auf die Skyline im Sonnenschein. Was man aus einem alten Bahnhofsgelände alles machen kann!

Just in Time erreichen wir die Anlegestelle für unsere Bootstour durch Chicago. Hier konnte man nicht nur sehen, wie beeindruckend die Gebäude sind, sondern auch eine Feldstudie zur Aufmerksamkeitsspanne von Schülern, aber auch anderen Reisenden machen. Unser Boot hat noch nicht abgelegt, als der Tourführer anfängt zu reden und dann für die nächsten 90 Minuten scheinbar nicht einmal Luft holt. Unglaublich viel Input, aber irgendwann merke ich, wie auch meine Aufmerksamkeit nachlässt. Nur mit dem Unterschied, dass ich noch wahrnehme dass die Schüler (zum Teil) entgegen der klaren Ansage sich nicht grade leise unterhalten und mit ihren Handys spielen, während die Damen und Herren meine strafenden Blicke nicht wahrnehmen… Naja, am Ende der Tour sind alle um viele Impressionen reicher und der Kollege und ich um einen Sonnenbrand.

Vom Boot schlendern wir zum Navypier, einem der Ausflugsorte für Chicagoer und Touristen. Das Treiben ist groß, das Riesenrad glänzt in der Sonne und wir flanieren in Kleingruppen ein wenig umher. Vor zwei Jahren gab es ein riesiges Festzelt mit Blasmusik und Oktoberfest. Dieses fehlt dieses Jahr, dafür kann man sich schön hinsetzen und die Aussicht genießen.

Nach einem kleinen, die Wirtschaft fördernden Intermezzo, führt uns unser Weg in das Hard Rock Café von Chicago. An unserem letzten Abend in den USA wollen wir alle nochmal zusammen zu Abend essen. Hier muss ich dann wohl auch festhalten, dass die Mädels ihre Burger aufgegessen haben im Gegensatz zu einigen Herren ;-)

Im Hotel zurück beginnt das große Gepäckspiel: Wessen Koffer wiegt wie viel? Wer hat noch Platz in seinem Koffer oder im Handgepäck? Bekommen wir alles unter? Das Meisterstück ist uns auch dieses Mal wieder gelungen, sogar ohne die zusätzliche Reisetasche, die wir extra schon gekauft hatten. Wir heben sie mal auf für 2015 ;-)

Einige wollen noch einmal schwimmen gehen, andere kommen mit mir noch ein wenig aus dem Hotel und wieder andere „chillen“ vor dem Fernseher. Ein paar Minuten vom Hotel befindet sich ein Brunnen, den viele mit Sicherheit schon einmal gesehen haben, weil er im Vorspann eine Fernsehserie aufgetaucht ist: „Eine schrecklich nette Familie“. Inzwischen ist die Straße um den Brunnen verschwunden und es ist ein großer Platz entstanden in dessen Mitte einer der größten Brunnen der Welt steht: die Buckingham-Fontaine. Wir kommen grade richtig um zu sehen, wie sich die Farben der Brunnenbeleuchtung und die Fontaine zur Musik verändern. Das vor der Skyline bei Nacht… Eine Schülerin bringt es auf den Punkt: „Alle die im Hotel geblieben sind haben echt was verpasst!“

Der Tag der Abreise ist da! Irgendwie haben wir es dieses Mal deichseln können, dass unser Gepäck zur Bahnhaltestelle transportiert wird. Warum das vor zwei Jahren nicht ging und jetzt schon, bleibt uns ein Rätsel, aber egal. Das einzige Hindernis auf dem Weg zum Flughafen stellt der Fahrkartenautomat dar, dieser gibt zwar kein Wechselgeld aus (egal bei welcher Scheingröße), aber dafür steht daneben ein Mitarbeiter des Nahverkehrbetriebes, der uns hilft die günstigste Kartenvariante zu finden und zu kaufen.

Zum Leidwesen unserer Schüler gibt es am Flughafen von Chicago keine kostenfreies W-Lan, aber dafür das Lokal mit dem großen M. Endlich sitzen wir dann im Flieger und starten in Richtung London und ich habe ein Deja vu: Mein Inseat-Entertainment geht schon wieder nicht. Aber dieses Mal gibt es noch einen anderen freien Platz für mich. Mit Verspätung erreichen wir London, stehen auf einer Außenposition, es kommen nur zwei Busse statt vier, ergo: Wir verpassen unseren Anschluss! Zwar versuchen uns zwei Damen ,die uns am Gate abfangen, noch zu unserem Flieger zu bringen, aber dieses Unterfangen scheitert an diesem Flughafen. Beamtenmikado war mir ja ein Begriff, aber dass es auch ein Sicherheitspersonalmikado gibt, war mir neu. Um 7 Minuten verpassen wir unseren Flug, müssen umbuchen und hängen wieder in der Hölle von Heathrow, die zwar nicht nach Schwefel stinkt, aber dafür wie eine überdimensionale Parfümerie: Wichtigste Memo an mich selber: NIE WIEDER ÜBER LONDON FLIEGEN!

Eigentlich wäre der letzte Teil der Reise keines Wortes würdig gewesen, hätte nicht jemand das Gepäckfach geöffnet. So sitzen wir im Flieger und hören einen dumpfen Schlag, als eine Schnapsflasche aus dem Duty-free-Shop Bekanntschaft mit dem Kopf meines Kollegen schließt. Memo an mich selber: Schnapsflaschen sind gefährlich! Es folgt das volle Programm, die Durchsage, ob sich jemand an Bord befinde,t der medizinische Hilfe leisten kann, Krankenwagen am Flughafen in FFM und ein Gespräch mit der Polizei. Und so endet für mich der Austausch damit, dass ich meinen Kollegen beim Unfallarzt absetze, nachdem wir vorher alle wohlbehalten in Seligenstadt ihren Eltern übergeben haben. Kann ich mich nur nicht erinnern, oder war es jetzt das erste Mal das einige Eltern und Schüler zu uns kamen um sich zu bedanken? Ich bin schon fast gerührt und möchte dann doch lieber diesen kleinen Dialog als letzte Erinnerung an den Austausch mitnehmen.

Schülerin: Herr Horvath, ich wollte mich nochmal ganz, ganz herzlich bei Ihnen für den tollen Austausch und alles bedanken.

Ich: Das ist ganz, ganz lieb von dir XXX, aber auch nach fast drei Wochen heiße ich noch immer nicht Herr Horvath.

Memo an mich selber: Namensschilder damit wir 2015 nicht wieder die ganze Zeit mit dem falschen Namen angesprochen werden ;-)

 



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