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DAZ - Konzept

 

  1. Ausgangslage
    1. Allgemein

      Die Intensivklassen werden von Schülerinnen und Schüler nichtdeutscher Herkunftssprache besucht, die zwischen 10 und 15 Jahre alt sind und durch das Staatl. Schulamt Offenbach zugewiesen wurden. In den einzelnen Klassen werden bis zu 16 Schülerinnen und Schüler unterrichtet. Ziel ist es, die Schülerinnen und Schüler zu befähigen, dass sie innerhalb eines Jahres ausreichende Deutschkenntnisse erwerben und anschließend eine Regelklasse der Merianschule besuchen können. Die Merianschule hat zurzeit zwei Intensivklassen.

    2. Problematik

      Die Schülerinnen und Schüler bringen unterschiedliche Voraussetzungen mit:

      • Schüler, die die lateinische Schrift nicht beherrschen und in ihrem Land unzureichend beschult wurden;
      • Schüler, die eine lange Fluchtroute hinter sich haben und teilweise traumatisiert sind;
      • Schüler, die als Flüchtlinge aus den sogenannten „sicheren“ Herkunftsländern kommen und mitbekommen, dass ihre Bleibe-Chance eher gering ist;
      • Schüler, die in ihrem Land bereits in Deutsch als Fremdsprache unterrichtet wurden.

      Durch das unterschiedliche Sprachniveau und durch den Altersunterschied der Schülerinnen und Schüler ist eine große Heterogenität in den Klassen vorhanden. Die Schülerinnen und Schüler werden zu Beginn und während des laufenden Schuljahres zugewiesen oder in die Regelklassen überführt. Dadurch entsteht viel Bewegung durch Kommen und Gehen von Schülern in den Klassen.

  2. Aufnahme der Schülerinnen und Schüler
    1. Aufnahme in den Intensivklassen

      Die Aufnahme in den Intensivklassen erfolgt nach Zuweisung durch das Staatl. Schulamt Offenbach. Mit den Schülern und deren Begleitern (Eltern, Betreuer und / oder Übersetzer) wird ein Aufnahmegespräch geführt. In der Regel kommen die neuen Schüler in die Anfängergruppe.

    2. Aufnahme von Seiteneinsteigern in den Regelklassen

      In der Merianschule werden in Ausnahmefällen Schülerinnen und Schüler nichtdeutscher Herkunftssprache auf Anfrage aufgenommen, die nicht die Intensivklasse besuchen. Diese Schüler sind älter als 15 Jahre und können je nach freier Kapazität und Absprache mit den Klassenlehrern die Merianschule besuchen. Die Aufnahme erfolgt z. Zt. durch Herrn Aßmuth. (Siehe Anhang 3) Überprüfungskriterien:

      • schriftlich: Mathematik
      • mündlich: Deutsch- und Englischkenntnisse
  3. Organisation der Intensivklassen

    Der DaZ-Unterricht findet an fünf Tagen in der Woche am Vormittag statt. Je nach Stundenzuweisung werden die Schülerinnen und Schüler in Deutsch, Mathematik, Englisch und fachspezifischen Fächern unterrichtet. Bei der Stundenzuweisung soll beachtet werden, dass zwei Sportstunden (auch als Nachmittagsangebot) fest eingeplant werden.

    1. Aufteilung der Klassen

      Die beiden Intensivklassen sind in eine Anfänger- und eine Fortgeschrittenengruppe unterteilt. In beiden Klassen gilt das Klassenlehrerprinzip. Gerade durch die hohe „Fluktuation“ in den Klassen ist es wichtig, in der zu verbleibenden Zeit eine relativ stabile Beziehung zwischen den Schülerinnen und Schülern und den Klassenlehrern herzustellen. Aus diesem Grund sollen möglichst wenige unterschiedliche Lehrkräfte in den Intensivklassen unterrichten. Aufteilung der Stunden in den beiden Intensivklassen:

      Anfängergruppe:
      • 16 Std Deutsch – nur durch Klassenlehrer (höchstens noch eine weitere Lehrkraft)
      • 2 Std Englisch
      • 2 Std Mathematik
      • 2 Std Sport
      • +x Std Fachunterricht (je nach Zuweisung der Stunden)
      Fortgeschrittenengruppe:
      • 12 - 14 Std Deutsch – nur durch Klassenlehrer (höchstens noch eine weitere Lehrkraft)
      • 3 – 4 Std Englisch
      • 3 – 4 Std Mathematik
      • 2 Std Sport +x Std Fachunterricht (je nach Zuweisung der Stunden)

    2. Fachunterricht

      Alle Fachlehrer, die in den Intensivklassen unterrichten, müssen sich bewusst sein, dass jeder Fachunterricht auch Deutschunterricht ist. Fachliches Lernen und sprachliches Lernen laufen parallel, so dass der sprachsensible Fachunterricht einen hohen Stellenwert in der Unterrichtsvorbereitung erhalten muss (siehe www.hss.de/download/111027_RM_Leisen.pdf). Für den Fachunterricht bietet es sich an, Förderschulmaterialien zu nutzen. Materialien sind teilweise auf dem Projektordner vorhanden. Die Schülerbibliothek steht mit vielen Fachbüchern Montags und Mittwochs in der 6. Stunde den Schülerinnen und Schülern zur Verfügung.

  4. Räumlichkeiten

    Für die Intensivklassen stehen jeweils vollausgestattete Klassenräume zur Verfügung. Die Räume sollen ansprechend und wertschätzend gestaltet werden. Ein CD-Player sowie ein Overheadprojektor gehören zur Grundausstattung.

  5. Ziele, Inhalte und Schwerpunkte

    Grundlegendes Ziel im DaZ-Unterricht ist das Erlernen und die Erweiterung der Sprachkompetenz im produktiven Bereich (Ausdrucksfähigkeit, Textproduktion) und im rezeptiven Bereich (Text- und Hörverständnis). Der notwendige Wortschatz und wichtige grammatikalische Strukturen werden eingeübt sowie sprachliche Lerntechniken und Lernstrategien vermittelt. Weitere Lernziele sind, die Schülerinnen und Schüler in das Schulleben zu integrieren und den Erwerb sozialer Kompetenzen zu fördern.

    1. Fachliche Kompetenz

      Die Schülerinnen und Schüler werden entsprechend ihrem Niveau individuell gefördert. In der Anfängergruppe sind Schüler, die keine oder nur geringe Vorkenntnisse im Fach Deutsch mitbringen. Schülerinnen und Schüler, die die lateinische Schrift nicht beherrschen, werden in dieser Gruppe alphabetisiert. Schwerpunkte der Anfängergruppe: Bei den Anfängern liegt der Schwerpunkt auf der Kommunikation in der unmittelbaren Lebenswelt der Jugendlichen: Familie, Schule, Freunde. Viele Aufgaben im Kurs- und Arbeitsbuch werden hierfür genutzt. Hinzu kommen zahlreiche Spielvorschläge, in denen Wortschatz und Grammatik spielerisch eingeübt werden. Gearbeitet wird außerdem mit vielen Wort-Bild-Karten und -Zuordnungen. In Englisch liegt der Schwerpunkt ebenfalls auf der Kommunikation. Die Schüler werden auf Grundschulniveau-Englisch an die englische Sprache herangeführt. Schüler, die bereits Vorkenntnisse mitbringen, werden entsprechend gefördert.

      In Mathematik liegt der Schwerpunkt auf den Grundrechenarten. Schwerpunkte der Fortgeschrittenengruppe: Bei den Fortgeschrittenen wird der Wortschatz kommunikativ und mit Texten erweitert. Erste Präsentationen werden eingeübt. Auch hier liegt der Schwerpunkt in der unmittelbaren Lebenswelt der Schülerinnen und Schüler. In dieser Phase wird das selbstständige Lernen gefördert, indem die Schülerinnen und Schüler Aufgaben und Themen selbst auswählen oder aus dem Kurs-und Arbeitsbuch wählen. Im Englischunterricht sollen die Schülerinnen und Schüler an den Englischunterricht der Regelklassen herangeführt werden. Aufgaben und Übungen der Regelklassen können genutzt werden. Im Mathematikunterricht werden die Schülerinnen und Schüler an Textaufgaben und komplexere Aufgaben herangeführt.

    2. Soziale Kompetenz

      Die Regeln und Regularien an der Schule sind den meisten Schülerinnen und Schülern aus anderen Ländern unbekannt. Deshalb liegt ein großer Schwerpunkt der Arbeit im sozialen Bereich. Dies sind z. B. die Einhaltung von Regeln, Führen des Schulplaners, pünktliches und regelmäßiges Kommen, bzw. sich schriftlich zu entschuldigen. Vieles ist den Schülerinnen und Schülern unbekannt und erfordert viel Zeit, klare Strukturen und Geduld. Zurzeit kommen auch Schülerinnen und Schüler, die traumatische Erlebnisse hinter sich haben. Diese Jugendlichen benötigen viele Rituale und „Halt“ in ihrer Klasse. Die Erlebnisse sollen nicht thematisiert werden. Sinnvoll ist es, dass jede unterrichtende Lehrkraft eine Fortbildung zum Thema „Umgang mit traumatisierten Jugendlichen“ besucht. Ansprechpartner bei Traumatisierung: Schulpsychologischer Dienst SSA-Offenbach; Schulsozialarbeit

    3. Dokumentation des Lernstandes

      Zum Halbjahr und zum Schuljahresende erhalten die Schülerinnen und Schüler in Zeugnis. In Arbeits- und Sozialverhalten sowie im Fachunterricht bekommen die Schüler eine Note. Die Deutschnote wird verbal als Lernstandsbeschreibung entsprechend dem Gemeinsamen Europäischem Referenzrahmen für Sprachen erstellt. In Problemfällen werden Förderpläne erstellt und in Gesprächen mit den Erziehungsberechtigen ausführlich besprochen. Am Elternsprechtag im Februar haben die Eltern die Möglichkeit mit allen Lehrern persönlich zu sprechen, sich über die Lernerfolge und Leistungen ihrer Kinder zu informieren und alle Fragen und Probleme zu klären und zu erläutern.

    4. Projekttage

      Im Rahmen des projektorientierten Unterrichts finden auch in den Intensivklassen Projekte statt. Dies sind:

      • Projekttag mit schulischer Sozialarbeit
      • Kennenlernen der Stadt
      • Besuch des Nachbarschaftshauses
      • gemeinschaftliche Aktivitäten (z. B. gemeinsames Kochen oder Backen in der Küche)
      • kulinarischer Elternnachmittag
      • Teilnahme an der Wanderwoche mit täglichen Aktivitäten (z. B. Besuch im Zoo, Minigolfspielen, …)
      • Ausflüge mit Regelklassen
      • Besuch der Stadtbücherei
    5. Teilhabe an schulischen Aktivitäten

      Schülerinnen und Schüler, die zu Beginn des Schuljahres kommen, sollen an der Einschulungsfeier teilnehmen. Auch eine Einführungswoche in das neue Schulleben ist sinnvoll. Die Intensivklassen nehmen an Projektwochen und an Schulfesten teil und werden hier besonders in das Schulleben integriert. Eventuell können die Schülerinnen und Schüler durch einen Beitrag die kommende Einschulungsfeier mitgestalten.

    6. Patenschaften

      Für die Integration ins Schulleben bekommen die Intensivklassen Paten zur Verfügung gestellt. Am Ende des Schuljahres werden dafür die Klassenlehrer der 8. Klassen angesprochen und diese suchen für das neue Schuljahr je zwei Schülerinnen und Schüler, die sich bereit erklären, Patenschaften in den Intensivklassen zu übernehmen. Die Paten nehmen an der Einführungswoche und wenn möglich an Ausflügen und Projekttagen teil. Sie helfen mit bei der Integration der Intensivklassen-Schülerinnen und Schüler auf dem Schulhof. Die Paten bekommen für ihre Arbeit eine entsprechende Bemerkung ins Zeugnis.

  6. Kooperation mit dem Nachbarschaftshaus

    Die Stadt Seligenstadt bietet für die DaZ-Schüler zusätzlich Hausaufgabenbetreuung und Integrationskurse an. Alle Schüler und Schülerinnen aus Seligenstadt und Mainhausen können diese Kurse unentgeltlich besuchen. Die Kurseinteilung erfolgt nach Absprache mit der zuständigen Beauftragen der Stadt Seligenstadt (z. Zt. Frau Nietgen). Die Klassenlehrer der Intensivklassen tauschen sich regelmäßig mit den Mitarbeitern des Nachbarschaftshauses aus.

  7. Übergang der DaZ-Schüler in die Regelklassen

    Spätestens nach einem Schulbesuchsjahr in den Intensivklassen werden die Schülerinnen und Schüler in den Regelklassen integriert. Die Einteilung, welche Klassenstufe besucht werden soll, erfolgt in der Klassenkonferenz, die etwa dreimal jährlich stattfindet. Die Klassenlehrer der Intensivklassen füllen dafür ein Übergabeprotokoll (siehe Anhang 1) aus und setzen sich mit den entsprechenden Klassenlehrern in Verbindung. Der Verbleib in der Regelklasse kann für sechs Wochen auf Probe festgelegt werden. In dieser Zeit wird gemeinsam überprüft, ob die Schülerinnen und Schüler den Anforderungen der Regelklasse gewachsen sind. Eventuell ist eine Verlängerung des Besuches in der Intensivklasse erforderlich (bis zwei Jahre möglich) oder es wird eine andere Klassenstufe empfohlen.

    1. Förderunterricht

      Während des 1. Jahres in der Regelklasse erhalten die Schülerinnen und Schüler 2 – 4 Stunden pro Woche Förderunterricht „Deutsch“. Inhaltlich werden Grammatik, Satzbau und Kommunikation gefördert. Der Förderkurs soll keine Hausaufgabenhilfe sein. Der Förderunterricht findet in der Regel am Nachmittag, möglichst durch Lehrkräfte, die in den Intensivklassen unterrichten, statt. Sollten die Schülerinnen und Schüler nicht oder nur unregelmäßig den Förderunterricht besuchen, kann der Notenschutz entfallen.

    2. Sprachsensibler Fachunterricht

      Alle Fachlehrer, die Seiteneinsteiger unterrichten, müssen sich darüber bewusst sein, dass Fachinhalte und Sprache eng miteinander verbunden gelehrt und gelernt werden sollen (siehe www.hss.de/download/111027_RM_Leisen.pdf).

    3. Leistungsbeurteilung

      Alle Schülerinnen und Schüler haben zwei Jahre Notenschutz. Beurteilungen und Benotungen werden nach §56 der Verordnung zur Gestaltung des Schulverhältnisses vorgenommen.

  8. Materialien

    Folgende Materialien stehen den Intensivklassen zur Verfügung:

    • Lehrwerk: „Ideen“ Kurs- und Arbeitsbuch (o Das Arbeitsbuch ist Eigentum des Kreises Offenbach und darf nicht beschriftet werden)
    • Das Lehrwerk „Ideen“ erfordert viele Transferleistungen von Seiten der Schüler und Schülerinnen; es ist ausgelegt für Schülerinnen und Schüler, die sehr gut alphabetisiert und leistungsstark sind. Zur Zeit sind besuchen viele Flüchtlingskinder die Intensivklassen, die nur unregelmäßig in ihrem Heimatland die Schule besucht 8 haben, bzw. die lateinische Schrift nur unzureichend beherrschen. Aus diesem Grund ist es erforderlich, ein weiteres Lehrwerk / Arbeitsbuch anzuschaffen. (o z. B. „Schritt für Schritt“ /Schroedel-Verlag)
    • Audio-CDs zu den Büchern
    • Wörterbücher, Bildwörterbücher
    • Allgemeinwissen – Programm auf dem Schulcomputer

     

 



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