Anne-Frank-Tag 2026 – Damit ihre Namen nicht verblassen

Am 12. Juni, dem Geburtstag von Anne Frank, wird bundesweit der Anne-Frank-Tag begangen. Anne Frank wurde 1929 in Frankfurt am Main geboren – nur rund 30 Kilometer von Seligenstadt entfernt – und verbrachte dort ihre ersten Lebensjahre, bevor ihre Familie aufgrund der zunehmenden Verfolgung durch die Nationalsozialisten in die Niederlande auswanderte. Während des Zweiten Weltkriegs musste sie sich mit ihrer Familie in Amsterdam verstecken. Ihr weltberühmtes Tagebuch gibt bis heute bewegende Einblicke in ihre Hoffnungen, Ängste und ihren Alltag im Versteck. 1945 starb sie im Konzentrationslager Bergen-Belsen – ihr Tagebuch bleibt jedoch ein eindrucksvolles Zeugnis gegen das Vergessen.
Auch an der Merianschule stand dieser Tag ganz im Zeichen der Erinnerungskultur. Unter dem Motto „Damit ihre Namen nicht verblassen“ wurden zahlreiche Projekte und Aktionen durchgeführt, die Geschichte greifbar machten und die Schülerinnen und Schüler dazu einluden, sich intensiv mit den Schicksalen der Opfer des Nationalsozialismus auseinanderzusetzen.
Zu den zahlreichen Aktionen des Anne-Frank-Tages gehörte unter anderem eine Ausstellung zum Leben Anne Franks. Mithilfe informativer Plakate, multimedialer QR- Codes und eines detailreichen Modells des Hinterhauses konnten sich die Schülerinnen und Schüler auf vielfältige Weise mit ihrem Leben und ihrer Geschichte auseinandersetzen. Ergänzt wurde die Ausstellung durch von einer 10. Klasse gestaltete Plakate zum Widerstand im Nationalsozialismus sowie über Überlebende des Holocaust. Die Auseinandersetzung mit diesen Themen zeigt, dass es selbst unter den Bedingungen von Terror und Diktatur Menschen gab, die Mut bewiesen, anderen halfen und sich gegen Unrecht stellten. Gleichzeitig machen die Berichte von Überlebenden deutlich, welche Folgen Ausgrenzung, Hass und Verfolgung für die Betroffenen hatten und wie wichtig es ist, ihre Erfahrungen und Erinnerungen für kommende Generationen zu bewahren. Darüber hinaus bestand die Möglichkeit, in Auszügen aus Anne Franks Tagebuch zu lesen und die eigenen Gedanken und Eindrücke auf einem eigens gestalteten Gedankenplakat festzuhalten. Dieses lud dazu ein, sich persönlich mit den Themen Erinnerung, Verantwortung und Menschlichkeit auseinanderzusetzen.
Ein weiterer Schwerpunkt lag auf dem lokalen Erinnern. Mehrere Schülergruppen reinigten Stolpersteine in Seligenstadt und setzten damit ein sichtbares Zeichen des Respekts und der Wertschätzung für die Opfer. Die Reinigung der Stolpersteine in Seligenstadt wurde von Passantinnen und Passanten aufmerksam wahrgenommen und stieß auf viel positive Resonanz. Viele blieben stehen, beobachteten die Arbeit der Schülerinnen und Schüler oder kamen mit ihnen ins Gespräch. Trotz des zeitweisen einsetzenden Regens ließen sich die Gruppen nicht von ihrem Vorhaben abbringen und setzten ihre Arbeit engagiert fort. Eine besonders freundliche Geste erlebte dabei eine Schülergruppe, der spontan Regenponchos geschenkt wurden, damit sie ihre Aktion trotz des schlechten Wetters fortführen konnte. Ein herzliches Dankeschön gilt außerdem dem dm-Drogeriemarkt, der die benötigten Reinigungsmaterialien für die Stolpersteinpflege zur Verfügung stellte.

Besonders bereichert wurde der Anne-Frank-Tag durch die Unterstützung des Vereins Ehemalige Synagoge Seligenstadt. Frau Haas ermöglichte den Schülerinnen und Schülern mithilfe eines Films und moderner VR-Brillen einen virtuellen Rundgang durch die ehemalige Seligenstädter Synagoge und berichtete eindrucksvoll über deren Zerstörung während der Reichspogromnacht. Ein bewegender Höhepunkt war die Anwesenheit von Herrn Haas, der als Zeitzeuge von seinen Erinnerungen an die Ereignisse aus seiner Kindheit berichtete und damit Geschichte auf persönliche Weise lebendig werden ließ.
Eine weitere Gruppe besuchte die ehemalige Synagoge in Klein-Krotzenburg. Dort erhielten die Schülerinnen und Schüler einen Einblick in das jüdische Leben vor der Zeit des Nationalsozialismus sowie in die Geschehnisse während der Verfolgung. Begleitet wurde der Besuch von einer Reinigungsaktion rund um das Gebäude. Herr Ritter bereicherte die Exkursion mit spannenden Erzählungen über die Menschen und ihre Geschichte.
Im Rahmen des sozialgenial-Kurses entstand darüber hinaus ein Stolperstein-Rundgang durch die Seligenstädter Altstadt. An acht Stationen informieren kurze, von den Schülerinnen und Schülern recherchierte Biografien über Menschen, denen Stolpersteine gewidmet sind. Die Auswahl umfasst bewusst sowohl ermordete als auch überlebende Opfer des Holocaust und zeigt die Vielfalt ihrer Lebensgeschichten. Andere Lehrkräfte konnten diesen Rundgang bereits mit ihren Klassen nutzen und so eigenständig Geschichte vor Ort erfahrbar machen.
Die zugehörigen Biografien stehen künftig auch den Bürgerinnen und Bürgern auf der Homepage der Merianschule zum Download zur Verfügung. Sie sollen dazu anregen, sich mit der Geschichte der eigenen Stadt auseinanderzusetzen und sich bewusst zu machen: Die Verbrechen des Nationalsozialismus geschahen nicht irgendwo – sie geschahen auch hier, mitten in unserer Region.
Mit den vielfältigen Aktionen des Anne-Frank-Tages leistete die Merianschule einen wichtigen Beitrag zur Erinnerungsarbeit. Denn nur wer die Vergangenheit kennt und die Namen der Opfer bewahrt, kann Verantwortung für Gegenwart und Zukunft übernehmen.

Rundgang_Stolpersteine.pdf – Hier finden Sie den Rundgang!!!​